Wer kennt das Problem nicht? Man steht am Bahnsteig und wartet auf seinen Zug. Es geht um jede Sekunde, denn man befindet sich in Zeitdruck und die Bahn hat abermals Verspätung. Man will einfach nur schnell in den Zug und an sein Ziel. Der Zug fährt also ein und man versucht zu antizipieren, wo genau er halten wird und wo der beste Platz sein wird, um möglichst schnell in die Tür zu treten – doch dies ist zumindest für unerfahrene Fahrer schier unmöglich.

Mit Lichtfaserbeton zur Lösung

Diesem Problem wollen Vincent Genz und seine Mitstreiter nun in ganz großem Stil lösen: Bereits vor zwei Jahren war Ganz an die Deutsche Bahn mit der Idee herangetreten, in den Beton auf den Bahnsteigen Lichtfasern zu integrieren, die dann in Richtung  der als nächstes zu erreichenden Tür zeigen. Erste Testphasen durchläuft diese neue Technologie ab Dezember im S-Bahnhof in Stuttgart/Cannstatt. Doch ganz so einfach ist das Ganze nicht: denn wie in den meisten Feldern der Digitalisierung muss auch hier der Mensch mitspielen. Die Bahnfahrer müssten hier genauer darauf achten, dass sie wirklich exakt an der Stelle halten, an der die Lichter angebracht sind. Bisher tun sie dies mehr oder weniger nach eigenem Ermessen – ob man hier mal einen Meter weiter vorn oder hinten hält ist nicht wirklich erheblich.

Kaum sind die Berliner Erfinder mit ihrer ersten Idee erfolgreich, schon arbeiten sie an Innovationen und wollen noch einen draufsetzen. Im nächsten Schritt sollen die Bahnsteige dem Fahrgast nicht nur die Richtung zeigen, sondern auch mittels farblicher Kennzeichnung anzeigen, wie voll der jeweilige Wagon ist. Es dürfte für jeden deutlich sein, dass dies nicht nur für die Fahrgäste, sondern auch für die Bahn selbst ein großer Schritt in Richtung kürzerer Einstiegszeiten, besserer Pünktlichkeit und besserer Verteildung der Fahrgäste innerhalb der Züge ist. Onno Szillis, Leiter der DB-Mindbox (einem Start-Up-Förderprogramm der Deutschen Bahn) bekräftigt, dass hier durchaus die Funktionalität der Bahnsteige im Vordergrund stehe: „Wir wollen die Bahn nicht hip, sondern schlichtweg besser machen“. Könnte dies die Lösung für zwei der Kernprobleme der Bahn sein? Mehr zum Team und den Machern gibt es direkt bei siut.eu