Krisen kennt der internationale Aktienmarkt durchaus. Der Neue Markt rund um das Jahr 2000 in Deutschland und zuletzt die sogenannte Subprime-Krise nach dem Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes haben bewiesen, dass gerade die US-Börsen keineswegs gegen Kurseinbrüche mit erheblichen Auswirkungen geschützt. Auch wenn die aktuellen Entwicklungen nach Aussagen vieler Experten vermutlich kein vergleichbares Ausmaß haben wird – die Erwartung einer steigender Inflation sorgt für eine gewisse Aktienflucht an den Märkten.

Dow Jones, DAX und Co. geben spürbar nach

Die Wall Street büßte allein am Dienstag der zweiten Februarwoche gut fünf Prozent ein. In Deutschland war die Lage beim Deutschen Aktienindex zwar weniger dramatisch, mit zuletzt fast 2,5 Prozent fiel das Minus des Leitindex der Deutschen Börse aber ebenfalls merklich unter Druck geraten. Unter der Marke von 12.400 Punkten bewegte sich der DAX zuletzt vor etwa fünf Monaten. Überraschend kam diese Entwicklung, da der Index zuvor schon Verluste hinnehmen musste, nachdem viele Anleger ihre Gewinne mitnehmen wollten. Doch woher rührt die Unsicherheit auf Seiten der Aktionäre in Europa, in den USA wie auch in Asien?

Anleger ziehen Geld aus Aktien wegen Anleihen-Chancen ab

Ein wichtiger Grund ist auf jeden Fall darin zu sehen, dass es viele Spekulanten gibt, die in den USA in der jüngsten Vergangenheit in großem Stil auf vermeintlich bevorstehende Zinsanstiege durch die US-Notenbank wetteten, was auch bei normalen Anlegern für ein gewisses Umdenken führte und führt. Denn: Läutet die FED, also die Notenbank, tatsächlich bald das Ende der Niedrigzinspolitik ein, werden Anleihen Aktien in puncto Attraktivität hinter sich lassen. Für Investitionen am Anleihenmarkt aber braucht es Kapital, das viele Anleger in der Zeit unrentabler Anleihen und niedrigster Zinsen im Bereich klassischer Geldanlagen wie Tagesgeld, Festgeld und Sparbriefen in Aktien investiert hatten.

Steigende Teuerungsrate legt Zinserhöhungen nahe

Fraglich ist die Ursache für diese Erwartungshaltung. Unterm Strich ist es wohl vor allem die anhaltend positive Konjunktur- und Wirtschaftslage in den USA, die Analysten dazu veranlasst, an eine Zinsanhebung zu glauben. Auch die gute Lage am Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten sorgt für Spekulationen in Richtung Anhebung des Zinsniveaus. Sollte Trumps Steuerreform den erhofften Wirtschaftsboom bringen, würde dies die Inflation ordentlich ankurbeln. Spätestens dann müssten die Verantwortlichen der FED aktiv werden. Dass die Europäische Zentralbank (EZB) gleichziehen wird, ist hingegen aufgrund einer geringeren Inflationsrate eher unwahrscheinlich. Mit 1,3 Prozent liegt die Inflationsrate im Euroraum deutlich unter dem US-Wert von 2,1 Prozent.

Bild: @ depositphotos.com / bruesw

Matthias Nemack

Matthias Nemack

Als freier Texter und Journalist bin ich im Schwerpunkt in den Sparten Wirtschaft und Finanzen tätig, interessiere mich aber gleichermaßen für die großen Zusammenhänge, die sich aus der Schnittmenge mit der Politik ergeben. Darüber hinaus verfolge ich aktuelle Lifestyle-Entwicklungen und neue Erkenntnisse aus dem Bereich Work-Life-Balance. Von Zeit zu Zeit dürfen es auch gerne mal Klatsch und Tratsch sein, weil sich zwischendurch einfach für Entspannung im hektischen Arbeitsalltag sorgen.
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