Es trägt den sperrigen Namen Netzdurchsetzungsgesetz oder kurz NetzDG. Es hat die Aufgabe, die Betreiber von sozialen Netzwerken dazu zu zwingen, Hasskommentare binnen 24 Stunden entweder zu löschen oder den Account zu sperren. Das Gesetz hat viele Kritiker, die die Meinungsfreiheit in Gefahr sehen. Das NetzDG sieht allerdings nur die sozialen Netzwerke in der Pflicht, Video- und Computerspiele sind nicht gemeint. Vonseiten des Bundesjustizministeriums gab es auch nie einen Plan, die Betreiber dieser Spiele mit einzubeziehen.

Wie gefährlich sind Spiele für Kinder?

Wer sich bei Onlinespielen mit seinen Freunden zu Gilden zusammenschließt, der kann sich auf manche spannende und interessante Spieleabende freuen. An der Spielekonsole oder am Computer treffen sich aber auch Gilden, die seltsame Namen haben. Sie nennen sich unter anderem „Adolf H.“ oder „Waffen-SS“, „Eichmann“ oder „Al-Qaeda“. Es sind aber nicht nur die Namen, die zunehmend ein Problem sind, auch die Einstellungen, die manche Spieler haben, sind nicht unbedingt verfassungskonform. Wenn sich Erwachsene mit extremistischen Ansichten laut auf einem Spielplatz austauschen, dann würden besorgte Bürger völlig zu Recht, die Polizei rufen. Im Netz bei diversen Spielen ist das offensichtlich normal und geschieht jeden Tag.

Das Problem ist bekannt

Viele Eltern sind besorgt und achten darauf, mit wem ihre Kinder im Internet spielen. 55 Prozent haben laut einer aktuellen Forsa-Umfrage jedoch Angst, dass ihr Kind im Rahmen von vermeintlich harmlosen Video- oder Computerspielen von fremden Menschen kontaktiert wird, die ihm schaden können. Das Problem ist nicht erst seit gestern bekannt, aber die Akteure wie auch die Politiker verharmlosen die Gefahr. Nach Ansicht von Kriminologen hätten auch viele Onlinespiele mit in das Gesetz aufgenommen werden müssen. Warum die Spiele wieder herausgenommen wurden, kurz bevor das Gesetz vor der Verabschiedung stand, ist bis heute ungeklärt.

Das sagt der Minister

Der kommissarische Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) musste sich die Frage gefallen lassen, warum sein Gesetz nur die sozialen Netzwerke, aber nicht die Computer- und Videospiele trifft. Nach Meinung des Ministers sind soziale Netzwerke viel größere Plattformen mit einer so wörtlich „diffamierenden und verrohenden Wirkung“. Onlinespiele haben nach Ansicht des Ministers eine personell begrenzte Plattform und damit „keine vergleichbare Wirkungsmacht“. Dass die Realität ganz anders aussieht, interessiert Heiko Maas nicht.

Bild: @ depositphotos.com / Garsya

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
Ulrike Dietz
1 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 5