Frankfurt (ots) – Die EZB hat es also getan: Nach der gestrigen Zinssitzung stellte der EZB-Rat ein Ende der in Deutschland heftig kritisierten Anleihekäufe (Quantitative Easing, QE) zum Jahresschluss 2018 in Aussicht. Zwar ließ sich der Rat einige Hintertürchen offen und EZB-Präsident Mario Draghi betonte wiederholt die “Flexibilität” der Euro-Hüter. Unter dem Strich steht aber die Botschaft: Mit QE ist Ende 2018 Schluss. Das ist gut so – und aktuell durchaus auch mutig!

Denn so mancher Beobachter runzelt die Stirn, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ausgerechnet in Zeiten zunehmender globaler Handelsstreitigkeiten und der politischen Turbulenzen in Italien das Ende von QE ins Visier nimmt. Trotzdem ist der Schritt mehr als angemessen: Bei allen Risiken und bei aller Unsicherheit – Wachstum und Inflation in Euroland rechtfertigen längst keine Geldpolitik mehr, die gar noch lockerer ist als in der Weltfinanzkrise. Und auch ohne zusätzliche QE-Nettokäufe bleibt die Geldpolitik noch auf Jahre extrem expansiv.

Der ein oder andere spekuliert nun über die “wahren” Beweggründe der Euro-Hüter. Hat sie das Gefühl beschlichen, den optimalen Zeitpunkt für den QE-Ausstieg verpasst zu haben? Vielleicht. Tatsächlich wäre ein früherer Exit nicht nur möglich, sondern vermutlich gar angezeigt gewesen. Will die EZB Rom klar machen, dass die neue Regierung nicht auf die EZB hoffen sollte, wenn sie überzieht? Vielleicht. In jedem Fall ist es ein richtiges Signal, dass es keine Rettungsaktion der EZB für Italien geben wird. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass die EZB bei QE zunehmend an selbst gesetzte Grenzen stößt. Trotzdem ist es positiv, dass sich Draghi & Co. von den aktuellen Widrigkeiten nicht haben beirren lassen.

Dass EZB-Präsident Mario Draghi nun die Flexibilität betont, ist verständlich. Die Hürde für eine Abkehr vom Ausstieg ohne Gesichtsverlust liegt aber wohl recht hoch – und das sollte sie auch! Dass der EZB-Rat zugleich einen – wenn auch vagen – Zeitpunkt benennt, bis zu dem er die Leitzinsen voraussichtlich nicht anhebt, ist aber heikel. Im aktuellen Umfeld soll das wohl die Marktteilnehmer für das QE-Ende beschwichtigen. Das aber kann schnell zum Problem für die Glaubwürdigkeit werden – und die Marktakteure könnten allzu schnell die eigene Urteilsbildung vernachlässigen. Und last but not least gilt auch bei den Zinsen zumindest perspektivisch: Leitzinserhöhungen sollten nicht auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertagt werden.

Bei aller Kritik im Detail bleibt aber das Urteil: Das jetzige Signal für ein Ende von QE ist absolut richtig – und überfällig. Oder anders: Besser (zu) spät als nie!

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