Berlin (ots) – Die britische Premierministerin hat sich viel Zeit gelassen, zu viel vermutlich: Seit Monaten drängt die EU darauf, Theresa May möge doch endlich ein Konzept für den Austritt ihres Landes aus der EU vorlegen. Jetzt endlich lässt sich May in die Karten blicken, nur acht Monate vor dem Brexit peilt sie den Kurswechsel hin zu einem teilweise sehr sanften Ausstieg an – und schon gerät die britische Regierungschefin in schwerste Turbulenzen.

Der Rücktritt ihres Außenministers Boris Johnson ist ein gefährlicher Schlag für sie, weit härter noch als die unmittelbar vorangegangene Demission von Brexit-Minister David Davis. Am Ende dieser Misstrauens-Demonstrationen könnte ein Sturz der Premierministerin stehen oder ein Kollaps der gesamten Regierung.

May hatte freilich keine andere Wahl. Die Uneinigkeit im eigenen konservativen Lager hat die Verhandlungen seit Monaten gelähmt. Für einen harten Brexit ist es schon zu spät, die Vorbereitungen darauf hätten längst beginnen müssen; jetzt würde die britische Wirtschaft in ein Desaster stürzen.

Was ihr vorschwebt, ist eine Mixtur aus weichem und hartem Austritt, die Flucht in einen halben Binnenmarkt. May probiert in ihrer Not jenes Rosinenpicken, dem die EU bislang standhaft eine Absage erteilt hat. Die Brüsseler Brexit-Verhandler sind im Dilemma: Die EU kann und will Großbritannien nicht Privilegien einräumen, die sie anderen Europäern verweigert.

Premierministerin May weiß das, aber sie pokert jetzt hoch. Die Kraft, den Briten reinen Wein einzuschenken, hat sie aber längst nicht mehr. Dabei ist offenkundig, was sie ihren Bürgern zu sagen hätte: Dieser Brexit ist ein großer, tragischer Irrtum.

Quellenangaben

Textquelle:BERLINER MORGENPOST, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/53614/3993041
Newsroom:BERLINER MORGENPOST
Pressekontakt:BERLINER MORGENPOST

Telefon: 030/887277 – 878
bmcvd@morgenpost.de

Das könnte Sie auch interessieren:

NRW will Islamischen Religionsunterricht auch an Berufskollegs einführen Düsseldorf (ots) - NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) will den islamischen Religionsunterricht ausweiten und künftig auch an Berufskollegs einführen. "Wir wollen den islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache und unter deutscher Schulaufsicht von in Deutschland ausgebildeten Religionslehrern flächendeckend ausbauen", hieß es im Schulministerium auf Anfrage der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Mittwoch). Die Ausweitung auf Berufskollegs voraussichtlich ab dem Schuljahr 2018/19 sei der nächste Schritt. Zunächst werde das Fach an 20 Berufskollegs in den Regierungsbezirken Arnsberg...
SPD verurteilt Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem Osnabrück (ots) - SPD verurteilt Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem Außenpolitischer Sprecher Nils Schmid: "Rolle der USA als Vermittler im israelisch-palästinensischen Konflikt geschwächt" Osnabrück. Nach Ansicht der Sozialdemokraten hat sich US-Präsident Donald Trump mit der Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem bei der Vermittlung im Nahost-Konflikt ins Abseits manövriert. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstag) sagte der außenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion im Bundestag, Nils Schmid: "Die USA haben sich in dieser hoch umstrittenen Frage eindeutig auf die Se...
Kretschmann findet Kohlekommission ohne Vertreter aus Baden-Württemberg blind … Düsseldorf (ots) - Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat die Zusammensetzung der Kohlekommission der Bundesregierung mit dem Verzicht auf Vertreter seines Landes scharf kritisiert. "Es ist blind und töricht, Baden-Württemberg als eine der großen wirtschaftlichen Lokomotiven Deutschlands aus einem solchen Gremium herauszuhalten", sagte der Grünen-Politiker der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Samstag) über das Gremium mit 28 Mitgliedern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik mit vier Vorsitzenden, darunter die früheren Ministerpräsidenten von Brandenburg und Sachsen, M...