Heidelberg (ots) – Christian Altmeier über Trumps Besuch in London

Nach den Nato-Verbündeten in Brüssel schickt der US-Präsident nun auch seine Gastgeber in London auf eine emotionale Achterbahnfahrt. Zunächst düpierte er Regierungschefin Theresa May in einem Interview und mischte sich ungefragt in die Politik seines Gastlandes ein. Dann überschüttete er May mit Lob und kündigte ein Freihandelsabkommen an. Man sollte sich nicht täuschen. Dieses Hin und Her ist kein Ausdruck von Verwirrtheit. Vielmehr scheint der selbsterklärte Dealmaker Donald Trump darin eine erfolgversprechende Verhandlungstaktik zu sehen. Mit geradezu wölfischem Gespür wittert er die Schwächen und Widersprüche seiner Partner und nutzt diese, um Zwietracht zu säen. Sein Kalkül mag dabei sein, dass er den Europäern umso leichter bilaterale Handelsverträge aufzuzwingen kann, je zerstrittener diese sind. Auch das Lob für die Brexit-Hardliner entspricht diesem Gedanken. Doch übersieht Trump dabei gleich mehrere Aspekte. Die globalisierte Wirtschaft ist kein Nullsummenspiel. Eine Schwächung Europas würde auch Amerika in Mitleidenschaft ziehen. Zudem zerstört Trump mit seinem Vorgehen die wichtigste Basis für jedes Abkommen, nämlich Vertrauen. Und er führt den Europäern mit seinem erratischen Verhalten lebhaft vor Augen, welche Alternative auf sie wartet, wenn sie sich auseinanderdividieren lassen.

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