Mainz (ots) – Es gibt Themen, die von Anfang an begeistern. Und es gibt Themen, für die die Zustimmung mit der Zeit wächst. Der Vorstoß zur Einführung einer allgemeinen Dienstpflicht für junge Menschen gehört dazu. 60 Prozent spontane Zustimmung der Bürger in den ersten Umfragen sind schon gut. Aber diese Zustimmung ist garantiert ausbaufähig. Wenn sich Genossen, Grüne, Liberale und Linke reflexartig gegen eine solche Dienstpflicht aussprechen, dann sprechen sie schon nur noch für einen Teil ihrer Anhängerschaft. Und die SPD zeigt mit ihrer Reaktion mal wieder, wie weit sie sich von ihrer Basis, bzw. ihrer ehemaligen Basis entfernt hat. Eigentlich hätte sie selbst das Thema auf die politische Tagesordnung setzen sollen, statt CDU-Generalsekretärin Kramp-Karrenbauer damit punkten zu lassen. Was passt besser in eine Zeit sozialer Vereinzelung als ein allgemeiner sozialer Dienst? Was wäre ein besseres Rezept gegen den Virus der Selbstoptimierung, als ein Jahr lang für andere etwas zu tun? Nie zuvor haben junge Menschen so viele Freiheiten genossen wie heute. Nie zuvor haben junge Leute so viele Bildungschancen bekommen wie heute. Nie zuvor standen jungen Leuten so viele Türen auf wie heute. Schulzeit verkürzt, Wehrdienst abgeschafft, Studienzeit verkürzt. Und dann diskutieren wir über einen einjährigen Dienst an der Allgemeinheit wie über eine Freiheitsberaubung?

Ein ganzer Strauß an Chancen steht dieser Pflicht gegenüber: Junge Leute wachsen heute in ihrer sozialen Gruppe und in ihrer Bildungsschicht immer isolierter auf. Durch das Gemeinschaftsjahr werden diese Monokulturen durchmischt. Junge Leute übernehmen Verantwortung, in einer Zeit, in denen ihnen die Erwachsenen immer mehr Verantwortung abgenommen haben. Junge Menschen lernen zu geben und sie lernen, wie zufrieden geben machen kann. Junge Leute lernen Berufsfelder kennen, die ihre Eltern ihnen niemals empfohlen hätten. Junge Talente werden sozial geerdet, bevor sie als High-Performer durchstarten können. Und nicht zuletzt: Schulabbrecher und Leistungsverweigerer erfahren zu einem entscheidenden Zeitpunkt ihrer Biografie, dass sie gebraucht werden. Was soll eigentlich so unanständig konservativ daran sein, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern? Deshalb an alle liberalen, grünen und sozialen Demokraten: Wir drehen die Uhr noch einmal zehn Tage zurück und fangen mit der Debatte um eine allgemeine Dienstpflicht noch einmal von vorn an.

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