Düsseldorf (ots) – NRW gibt sich Mühe, die Infrastruktur auf dem Land zu modernisieren. Bessere Straßen, Wirtschafts-Fördergelder und schnelleres Internet sollen verhindern, dass die Unternehmen abwandern und mit ihnen die Gutverdiener, die für Kaufkraft vor Ort sorgen. Gut so. Aber die Förderung der ländlichen Räume darf sich nicht auf wirtschaftsrelevante Projekte beschränken. Auch auf dem Land wollen die Menschen nicht nur arbeiten. Sie brauchen soziale Strukturen, die gerade abseits der Städte Voraussetzung für Gemeinschaftsgefühl und regionale Identifikation sind. Der aktivere Teil der ländlichen Bevölkerung engagiert sich deshalb gerne in Vereinen, im Brauchtum, im Ehrenamt oder in politischen Initiativen. Dazwischen wächst kaum beachtet die Zahl der Alten, die zu betagt und zu gebrechlich sind, um aus eigener Kraft Anschluss zu halten. Über eine Million Menschen in NRW sind heute schon über 80. Mehr als die Hälfte von ihnen lebt allein, und ein Drittel ist pflegebedürftig. Im Schnitt haben sie monatlich 1480 Euro zum Leben. Oft sind die Kinder längst fortgezogen, ist der Lebenspartner, sind ihre Freunde schon lange verstorben. Viele Alte ziehen sich zurück in ihre Einsamkeit und werden dadurch unsichtbar. Für das Leben im Dorf, aber auch für die Politik. Die wachsende Zahl der einsamen Alten auf dem Land, die nicht mal eben wie ihre Altersgenossen in der Stadt zum Tanztee oder ins Theater gehen können, ist die soziale Kehrseite der steigenden Lebenserwartung. Der Einsatz von Gemeindeschwestern, den die Seniorenunion vorschlägt, wäre eine Antwort: eine gute Seele, die regelmäßig vorbeischaut. Die nicht nur medizinisches und pflegerisches Geschick mitbringt, sondern vielleicht auch mal ein bisschen Zeit. Ein offenes Ohr für die, denen nur noch wenige zuhören. Und offene Augen für einen Alten-Haushalt, der sonst vielleicht unbemerkt aus den Fugen gerät. Landesregierung, Kommunen und Ärzteverbände sind aufgeschlossen. Nur bei der Frage der Finanzierung verweist jeder auf den anderen. Das ist kleinlich. Die niedrigen einstelligen Millionenbeträge, die Hessen und Rheinland-Pfalz jährlich in nachweislich erfolgreiche Modellprojekte investieren, sollte sich NRW auch leisten können. Ein Feldversuch wäre zumindest mal ein Anfang. Es ist ein Gebot des Anstandes, auch Alten das Leben in ihrer vertrauten Heimat zu ermöglichen. Die Landarzt-Quote, mit der Gesundheitsminister Laumann die medizinische Versorgung in der Fläche sichern will, ist richtig. Gemeindeschwestern wären dazu die ideale Ergänzung. Und günstiger als Landärzte sind Gemeindeschwestern allemal.

Quellenangaben

Textquelle:Rheinische Post, übermittelt durch news aktuell
Quelle:https://www.presseportal.de/pm/30621/4031808
Newsroom:Rheinische Post
Pressekontakt:Rheinische Post
Redaktion

Telefon: (0211) 505-2621

Das könnte Sie auch interessieren:

23 Prozent mehr Ausbildungsplätze für Hebammen Düsseldorf (ots) - Die Hebammenschulen stocken die Ausbildungskapazitäten für Hebammen um 23 Prozent auf. Auch die Hochschulen stellen mehr Studienplätze zur Verfügung. Das geht aus einer Umfrage des Hebammenverbandes unter Hebammenschulen und Hochschulen hervor, deren Ergebnisse der Düsseldorfer "Rheinischen Post" (Donnerstag) vorliegen. Demnach sollen bis Ende des Jahres bundesweit rund 570 neue Ausbildungsplätze und 90 zusätzliche Studienplätze geschaffen werden. Die Zahl der Ausbildungsplätze erhöht sich damit von derzeit 2486 auf 3055. "Hebammen werden dringend gebraucht. Wir freuen un...
NRW fordert Rückgabe von über 800 Millionen Euro Steuergeld an Bürger Düsseldorf (ots) - NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) will einen Teil des unerwartet hohen Steueraufkommens in Bund, Ländern und Kommunen an die Steuerzahler zurückgeben. Profitieren sollen unter anderem Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren. Steuerlich besser gestellt werden sollen mit dem Paket auch Familien mit Kindern, Menschen mit Pflegebedarf und Unternehmen, die in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter investieren. "Wir wollen die Pauschbeträge für jene, die im Ehrenamt bei Pflege, Gesundheit und in der Familie tätig sind, erheblich erhöhen. Es geht um steuerliche Entlastungen in e...
Eigentore – Kommentar Reinhard Breidenbach zu Özil, Gündogan und Erdogan Mainz (ots) - Banal gesprochen: zwei lupenreine Eigentore, die sich die Nationalspieler Özil und Gündogan ins Nest, beziehungsweise Netz gelegt haben, als sie mit Erdogan posierten. Auf dem Platz würde man sie fragen: Habt ihr einen an der Klatsche? Verdammt ärgerlich, die Sache, durchaus bitter. Das kann es dann aber auch getrost gewesen sein mit verbalen Abwehrgrätschen gegen die beiden. Sie aus der Nationalelf ausschließen? Absurd! Sie auffordern, die deutsche Staatsbürgerschaft loszuwerden? Das würde an schlimmste Debattentiefen der 1970er Jahre anknüpfen. "Dann geht doch rüber" - gemeint ...