Geregelt oder doch ungeregelt? Die Frage, wie der Brexit über die europäische Bühne gehen soll, bleibt nach wie vor unbeantwortet. Zu 95 Prozent, so Theresa May, ist ein geordneter Austritt aus der EU in trockenen Tüchern, die EU sieht das allerdings etwas anders. Sollte es zu einem ungeregelten und damit zu einem sogenannten harten Brexit kommen, besteht die Möglichkeit, dass die anderen Länder der EU die Briten nicht mehr mit den lebensnotwendigen Dingen versorgen. Um vorzubeugen, hat sich die britische Regierung etwas einfallen lassen.

Mit Schiffen gegen den Notstand

Großbritannien ist eine Insel und daher plant die britische Regierung, zusätzliche Schiffe zu ordern oder zumindest Laderaum auf Schiffen zu mieten. Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass die Briten nicht hungern müssen, sollte es zu einem chaotischen Brexit kommen. Das klingt dramatisch und genauso sieht der britische Verkehrsminister Chris Grayling die aktuelle Situation. Er möchte sicherstellen, dass es nicht zu einem Mangel an Lebensmitteln und Medikamenten kommt. Der Handel zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland läuft zum überwiegenden Teil durch den Ärmelkanal zwischen dem französischen Calais und dem britischen Dover. Sollte es zu einem sogenannten „No-Deal-Brexit“ kommen, könnte die Verbindung zum Erliegen kommen, was dann wiederum zu Engpässen führt.

Keine Kontrollen

Rund 2,6 Millionen Laster nutzen die Strecke zwischen Calais und Dover jedes Jahr. Wenn diese Verbindungen wegfallen, dann haben die Briten sehr schnell ein großes Problem. Ist der Brexit tatsächlich da, wollen die Briten zumindest in den ersten Wochen auf Kontrollen verzichten, falls die französische Regierung ihrerseits nicht darauf besteht, wie es die Regelwerke eigentlich vorschreiben. Aber bis es so weit ist, arbeitet die britische Regierung in einer Art Krisenmodus. Die Schiffe, die sie mieten will, sollen nicht nur den Hafen von Dover anlaufen, es stehen dann auch die Häfen in Liverpool, London und Tilbury zur Verfügung. In erster Linie sollen es Fähren und Containerschiffe sein, auch umgebaute Kriegsschiffe sind nicht ausgeschlossen.

Turbulente Zeiten

Die Ankündigung der britischen Premierministerin Theresa May, mit Schiffen für den Notfall vorzusorgen, hat das Parlament unterschiedlich aufgenommen. Es kam zu turbulenten Szenen im Unterhaus. Laut der britischen Zeitungen schlug die Nachricht wie „eine Bombe ein“. Die überzeugten Europagegner nehmen es allerdings gelassen und sind wenig beeindruckt von dem, was die Regierung plant. Die Befürworter des Brexit vermuten, dass die französische Wirtschaft den Briten schnell entgegenkommen wird, schon aus finanziellem Interesse. „Wir sind immer offen für neue Ideen“, sagte Pauline Bastidon, die Ministerin für die britische Europapolitik. Sorgen bereiten unter anderem die Sicherheitsrisiken, wenn es zu Lücken bei den Grenzkontrollen kommt.

Im März 2019 ist es so weit, die Briten verlassen die europäische Familie. Auf dem Weg dorthin müssen jedoch noch einige Hürden überwunden werden, denn noch sind sich beide Seiten nicht einig. Ob es tatsächlich einen harten oder doch einen weichen Brexit gibt, hängt im Moment vom Verhandlungsgeschick der beiden Parteien ab. Theresa May ist zuversichtlich, dass ihr Land aus dem Streit als Gewinner hervorgeht. Sollte es dennoch Probleme geben, dann sind die Briten bereit, auch ungewöhnliche Wege oder genauer gesagt, Seewege zu gehen.

Bild: @ depositphotos.com / igorgolovniov

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
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