Die fünf Wirtschaftsweisen haben sich jetzt in die Diskussion um die Fahrverbote in den Städten eingemischt und einen eigenen Vorschlag gemacht. Die sind der Meinung, dass eine Art Einfahrgebühr für die Städte ehrlicher ist als ein Fahrverbot. Damit käme es zu einer sogenannten City-Maut, die zur Verbesserung der Luft beiträgt und die Emissionen sowie Feinstaub und Stickoxide effektiv senkt. In London gibt es diese Maut für die Stadt bereits und die englische Hauptstadt hat damit gute Erfahrungen gemacht.

Eine kontroverse Diskussion

Mit ihrem Vorschlag haben die fünf Wirtschaftswaisen für eine kontroverse Diskussion gesorgt. Es sind die kritischen Stimmen, die momentan überwiegen, die Wirtschaftswaisen sehen das aber anders. Im Unterschied zu Fahrverboten setzt eine Maut in den Städten auf einen preislichen Mechanismus. Damit lassen sich die Emissionen, die Stickoxide und der Feinstaub deutlich reduzieren. Die Qualität der Luft in den deutschen Städten steigt, ohne dass die Autofahrer das Gefühl haben, dass der Staat sie bestraft. Kommt es zu weiteren Fahrverboten, dann bürdet der Staat die Kosten komplett den Fahrzeughaltern auf. Die Maut sollte alle Fahrzeuge erfassen, ganz gleich, welche Antriebsform sie haben oder wo der Sitz des Autoherstellers ist. Damit spielen die Wirtschaftsexperten auf die Tatsache an, dass die Maßnahmen zur Dieselnachrüstung nur die deutschen Autohersteller trifft.

Ein guter Kompromiss?

Die Maut für die Städte, die die Ökonomen vorschlagen, soll nur nach den Gesichtspunkten bemessen sein, die für die Qualität der Luft von entscheidender Bedeutung sind. Zu diesen Kriterien gehören die lokale Belastung, die unterschiedlichen Emissionen der Autos und die jeweilige Tageszeit. Im Unterschied zu den Fahrverboten hätten sowohl die Haushalte als auch die Unternehmen stets die Möglichkeit, ihre Autos auch weiterhin zu nutzen. Vorausgesetzt, die höheren Kosten, die durch die Maut entstehen, rechnen sich für sie. Eine Maut für die Stadt ist keine neue Forderung, vielmehr flammt die Diskussion darüber immer mal wieder auf. Weltweit gibt es bereits eine Reihe von Städten, die dieses Mautsystem haben. In London gibt es die sogenannte „Congestion Charge“, eine Staugebühr, die allerdings nicht primär der Reinhaltung der Luft dient. In der Millionenstadt ist es damit tatsächlich gelungen, die Zahl der Fahrzeuge in der Innenstadt deutlich zu verringern.

Die Kommunen sind nicht einverstanden

Der überwiegende Teil der deutschen Kommunen lehnt den Vorschlag der fünf Wirtschaftswaisen strikt ab. Für sie ist es keine gute Idee, die Bürger in den Städten flächendeckend zu neuen Ausgaben zu zwingen. Es ist aber vorstellbar, eine solche Maut in einigen Städten auszuprobieren. Ob sie letztendlich auch infrage kommt, hängt von der Akzeptanz der Bürger ab. Die Einwohner sollen dann entscheiden, welche Auswirkungen die Maut für den Handel hat.

Fest steht, dass die Bürger in den großen Städten unter dem permanenten Verkehrskollaps leiden. Sie haben genug von der schmutzigen Luft, von dem ständigen Lärm und von den Platzproblemen, die die vielen Autos mit sich bringen. Eine Straßennutzungsgebühr ist eine Überlegung wert, aber es muss sich zeigen, ob sich das auch in die Tat umsetzen kann. Es sind viele Aspekte, die dabei Berücksichtigung finden müssen. Wer sich allerdings die positiven Auswirkungen in den Städten ansieht, die die Maut bereits haben, wird für die City-Maut stimmen.

Bild: @ depositphotos.com / xload

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
Ulrike Dietz
1 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 51 vote, average: 5,00 out of 5