Die Preise für Rohöl fallen immer weiter in den Keller, aber die Spritpreise an den deutschen Tankstellen steigen in immer neue Höhen. Der Grund sind die steigenden Kosten für den Transport, sagen die Mineralölkonzerne. Tanken ist im Moment in Deutschland kein Vergnügen. Selbst der Diesel kostet mittlerweile schon im Schnitt 1,50 Euro und das, obwohl die Rohölpreise sinken. Von niedrigen Pegelständen auf dem Rhein ist jetzt die Rede, sie sind angeblich schuld, dass das Tanken in Deutschland so teuer ist. Aber stimmt das wirklich? Der ADAC hat an dieser Aussage starke Zweifel.

Im Ausland deutlich billiger

Der Sommer in Deutschland war zu trocken und die Folgen sind jetzt, zum Beginn der kalten Jahreszeit, immer noch spürbar. Der Rhein hat vielerorts kaum noch genug Wasser für die schweren Öltanker und diese Tatsache nutzen die Mineralölkonzerne aus, um an der Preisschraube zu drehen. Was für Deutschland gilt, spielt komischerweise bei den Nachbarn in Österreich und Polen keine Rolle. Aktuell ist der Liter Diesel in Österreich für nur 1,32 Euro zu haben, in Polen sind es sogar nur 1,22 Euro. Die österreichischen Autofahrer zahlen für den Liter Normalbenzin 1,33 Euro, die polnischen Fahrer müssen günstige 1,18 Euro an der Tankstelle bezahlen. Warum ist der Sprit dann in Deutschland so teuer? Ein Grund ist die Besteuerung.

Der Staat verdient gut

In Deutschland fällt pro Liter Benzin oder Diesel nicht nur Mehrwertsteuer, sondern auch die Mineralöl- und die Ökosteuer an. Das heißt, für einen Liter Benzin berechnet der Staat 50,1 Cent Mineralölsteuer und 15,4 Cent Ökosteuer. Die Mehrwertsteuer beträgt hier 16 Prozent des jeweiligen Nettopreises. Die Ökosteuer ist für Benzin und Diesel gleich, für einen Selbstzünder zahlen die Fahrer deutlich weniger Mineralölsteuer. Hier sind es nur 31,6 Cent für den Liter. Mehr als die Hälfte dessen, was der deutsche Autofahrer an der Tankstelle bezahlen muss, sind reine Steuerabgaben. Der Staat verdient also nicht schlecht an seinen Autofahrern. Je niedriger der Preis ist, desto höher fällt der Anteil an Steuern aus, da die Beiträge für die Mineral- und Ökosteuer fix sind. Würde das Benzin nur einen Euro pro Liter kosten, gingen 81,47 Cent als Steuerabgaben in die Staatskasse.

Es wird noch teurer

Offenbar reichen die Ökosteuer, die Mineralölsteuer und die Mehrwertsteuer noch nicht aus. Die Große Koalition möchte mit einer neuen Steuer die Autofahrer noch stärker zur Kasse bitten. CO2-Steuer heißt das jüngste Kind in der Steuerfamilie und dabei handelt es sich um eine als Klimaschutz deklarierte Sondersteuer. Sie erhebt der Staat dann sowohl auf Benzin und Diesel als auch auf Heizöl. Damit wird das Heizen, aber vor allem Auto fahren teurer, von zwei Euro pro Liter Benzin ist heute schon die Rede.

Die hohen Steuern allein sind nicht für die explodierenden Spritpreise in Deutschland verantwortlich, auch Spekulanten sorgen dafür, dass die Preise hoch bleiben. Eine dauerhafte Entspannung ist vorerst nicht in Sicht. Diese Engpässe sind im Moment vor allem im Süden und im Westen des Landes zu spüren. Die Nachfrage nach Diesel und Benzin steigt an, aber das aktuelle Angebot kann die Nachfrage leider nicht mehr bedienen. Die Preise bleiben also weiterhin hoch.

Bild: @ depositphotos.com / ssuaphoto

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
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