Das Weihnachtsgeschäft ist für alle Händler das wichtigste Geschäft des Jahres. Daher achten sie auch darauf, dass sich die Kunden in ihren Geschäften wohlfühlen. Die große Konkurrenz des Onlinehandels schläft schließlich nicht und hat zum Teil die besseren Preise. Unverständlich ist daher, dass ausgerechnet in dieser umsatzstarken Zeit des Jahres ein Elektrofachmarkt auf Mitarbeiter an der Kasse verzichtet. Die Kunden zahlen digital mit ihrem Smartphone und gehen damit einen großen Schritt in Richtung Zukunft ohne Bargeld.

Keiner möchte gerne warten

Eine Reihe von Studien belegen, dass die Deutschen beim Einkaufen das Anstehen in der Warteschlange besonders nervt. Das ist auch der Grund, warum immer mehr Einzelhandelsgeschäfte nach Alternativen suchen, die das Bezahlen einfacher und vor allem schneller machen. Einen radikalen Schritt ging jetzt Saturn. In der größten Filiale der Kette in der Hamburger Innenstadt haben die Kunden jetzt die Möglichkeit, nicht mehr an der Kasse, sondern direkt am Regal zu bezahlen. Abgebucht wird der Kauf von der Kreditkarte oder über den Bezahldienst PayPal. Später können die Kunden auch mit Google Pay oder mit Apple Pay bezahlen.

Das Smartphone als Mittelpunkt des Lebens

Für die meisten Kunden, so MediaMarktSaturn, ist das Smartphone der Mittelpunkt des Lebens. Die Erfahrungen, die der Konzern mit dem bargeldlosen Bezahlen gemacht hat, zeigen, dass derjenige, der einmal mit dem Smartphone bezahlt hat, es immer wieder tun würde. Das hat das Unternehmen bei Tests in kleineren Filialen in München und Innsbruck festgestellt. Es wurde nicht nur probiert und viel gelernt, auch Fehler wurden erkannt, so Saturn. Der Kreis der Kunden, die zum Bezahlen das Smartphone nutzen, wird stetig größer. In Europa verliert der Einzelhandel aktuell rund 34 Milliarden Euro, nur weil Kunden nicht länger in der Warteschlange stehen möchten und den Kauf daher abbrechen. In Deutschland gehen auf diese Art mehr als sechs Milliarden Euro verloren und das verlangt nach Innovationen.

Ein neues Kauferlebnis

Saturn sieht sich selbst als Vorreiter. Der Elektrohändler ist jedoch nicht der Erste und nicht der Einzige, der in seinen Filialen das bargeldlose Bezahlen anbietet. Einige Lebensmittelhändler und auch das schwedische Möbelhaus Ikea bieten ihre Kunden an, die Waren selbst zu scannen. Das ist aber eher für den Kunden mit kleinem Einkauf gedacht, bei großen Einkäufen ist der erfahrene Mitarbeiter an der Kasse einfach schneller. Edeka bietet das Modell in Mülheim an der Ruhr an, und zwar per App, mit der der Kunde seine Einkäufe selbst scannen kann. 100 Testkunden sollen herausfinden, ob es sich lohnt, diese Form des Bezahlens in allen Filialen anzubieten. Anders als Saturn sieht Edeka das bargeldlose Zahlen jedoch nur als Ergänzung und nicht als Ersatz. Einkaufen soll Spaß machen und das haben nicht alle, wenn sie mit dem Smartphone einkaufen müssen.

Die Einzelhändler in Deutschland stehen permanent unter Druck, denn im Internet lauern Konzerne wie Amazon. In den USA ist der Onlineriese schon mit sieben stationären Geschäften vertreten, in denen die Kunden ihre Ware selbst scannen. Auszuschließen ist nicht, dass Unternehmen wie Amazon auch in Europa Filialen planen, die ganz ohne Mitarbeiter auskommen. Der deutsche Einzelhandel muss sich etwas einfallen lassen, um gerüstet zu sein.

Bild: @ depositphotos.com / IgorVetushko

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
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