Facebook schafft es nicht, aus den negativen Schlagzeilen zu kommen. Im vergangenen Sommer erst der peinliche Auftritt des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg vor dem Europäischen Parlament, jetzt eine mehr als merkwürdige Studie. Facebook nennt diese Studie „Forschungsobjekt“, vereinfacht gesagt handelt es sich jedoch um einen Ankauf von Daten. Alle, die an dieser Studie oder dem „Forschungsprojekt“ teilnahmen, sind sich vielleicht nicht darüber im Klaren, aber sie verkauften Facebook ihr Privatleben.

Ein verlockendes Angebot

Auf Instagram und Snapchat war die Anzeige zu lesen: Facebook sucht junge Leute, explizit zwischen 13 und 35 Jahren, die sich 20,- Dollar im Monat verdienen möchten. Alles, was die Teilnehmer an dieser „Social-Media-Studie“ tun mussten: Möglichst viele private Daten übermitteln. Mit einem Klick auf die Werbung ging es zum Anmeldeformular. Die Teilnehmer wussten jedoch nicht, dass sich hinter der Studie mit dem Namen „Project Atlas“ Facebook verbarg. Für nur 20,- Dollar ließen die Studienteilnehmer ohne ihr Wissen und ohne ihre Zustimmung zu, dass Facebook eine VPN-App installiert hat. Mit dieser App ist es Facebook jederzeit möglich, alle Aktionen und alle Informationen vom Smartphone des Teilnehmers abzurufen. Möglich wird das durch ein sogenanntes „Root-Zertifikat“, einen Account, der alle Rechte auf ein bestimmtes System besitzt und alles darf, ohne fragen zu müssen.

Facebook sieht alles

Mit der Teilnahme an der obskuren Studie haben die Nutzer Facebook einen Einblick in ihre besonders sensiblen Daten erlaubt. Die Nutzer können dabei überhaupt nicht einschätzen, wie viel Macht sie Facebook damit in die Hände gegeben haben. Das größte soziale Netzwerk kann jetzt nach Belieben auf alle Videos und Fotos, auf besuchte Webseiten, Apps, Ortungsdaten, WiFi-Verbindungen und sämtliche Chats zugreifen. Selbst Daten, von denen die Nutzer annehmen, dass sie verschlüsselt sind, kann Facebook einsehen. Das ist sogar dann der Fall, wenn eine App deaktiviert ist. Facebook hat sich zudem nicht gescheut, die Teilnehmer an der sonderbaren Studie aufzufordern, Screenshots von ihrer Bestellerliste bei Amazon zu machen. Erschreckend ist ebenfalls, dass die vermeintliche Studie bereits seit 2016 läuft, um möglichst viele Daten zu sammeln.

Nicht das erste Mal

Schon einmal war Facebook aufgrund von illegaler Datensammelei in der Kritik. 2013 brachte Facebook die VPN-App mit dem Namen „Onavo“ ins Spiel, die allen Nutzern mehr Anonymität versprach. Allerdings war das Gegenteil der Fall, denn die App hatte nur eine Aufgabe: so viele wichtige Informationen wie möglich über die Nutzer zu sammeln. Auch hier wollte das Unternehmen herausfinden, welche Apps installiert sind und mit wem die Nutzer Kontakt hatten. Diese Erkenntnisse nutzte Facebook, um zu erfahren, welche Dienste im Trend sind und welche es gerade werden. Zeichnet sich ein neuer Trend ab, dann kauft Facebook entweder die Idee oder kopiert sie einfach. Mit der Hilfe von „Onavo“ wurde Facebook auf „WhatsApp“ aufmerksam und kaufte den Messengerdienst schließlich.

Nach massiven Protesten stoppte Facebook „Onavo“. Vor allem Apple hat nach diesem Vorfall seine Regeln zum Datenzugriff sehr deutlich verschärft. Mit der neuen Spionage-App hat Facebook Apple jedoch bewusst umgangen. Als die eigentliche Absicht hinter der „Studie“ an Licht gekommen ist, hat Facebook sofort angekündigt, die App einzustellen. Es ist jedoch nur eine Frage der Zeit, bis sich Facebook etwas Neues einfallen lässt.

Bild: @ depositphotos.com / ymgerman

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
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