So will die Schweiz Manipulationen bei der Wahl verhindern

So will die Schweiz Manipulationen bei der Wahl verhindern

In den nächsten Jahren will die Schweiz das E-Voting, also elektronische Wahlen, im ganzen Land einführen. Das ist eine bequeme Alternative zu den bekannten Wahlzetteln, bei denen die Wähler ihre Kandidaten und Parteien noch mit dem Stift ankreuzen mussten. Aber nicht jeder ist mit dieser neuen Form der Wahl einverstanden. Kritiker sehen vor allem die große Gefahr von Hackern, die in die Wahl eingreifen können. Die Schweizer Regierung hat auch an dieses Risiko schon gedacht und jetzt einen etwas ungewöhnlichen Wettbewerb ins Leben gerufen.

Das Land der vielen Volksentscheide

Im Unterschied zu seinen Nachbarn Deutschland und Österreich sind Volksentscheide in der Schweiz keine Seltenheit. Jeder Urnengang der Eidgenossen und jede Briefwahl kosten jedoch richtig viel Geld. Um zu sparen, wird die direkte Demokratie in der Schweiz jetzt digitalisiert. In einigen Kantonen gibt es bereits elektronische Wahlen und die Wähler müssen dazu nur eine Webseite anklicken. Mit diesem E-Voting ist die Schweiz der Vorreiter in Europa, trotzdem bleibt die Gefahr von Hackerangriffen. Falls es Hackern gelingt, auf die Seite zu kommen und die Stimmen zu manipulieren, dann ist die komplette Wahl ungültig. Die Schweizer haben lange überlegt, wie sie das Problem Hacker in den Griff bekommen.

Talentierte Hacker gesucht

Um die Wahlen per Mausklick sicherer zu machen, sucht die Schweiz nach talentierten Hackern, die sich zutrauen, die Webseite für die Wahlen zu hacken. Als Ansporn dient ein Preisgeld von umgerechnet 131.000 Euro. Die Teilnehmer müssen sich einem sogenannten Intrusionstest unterziehen, der vom 25. Februar bis zum 24. März 2019 stattfindet. Exakt so lange dauern in der Schweiz normalerweise echte Wahlen. Der Ablauf ist simuliert. So erhält jeder der Hacker Zugangscodes, die es ihm möglich machen, seine oder gleich mehrere Stimmen abzugeben. 43.950 Euro gibt es beispielsweise für die Manipulation der Stimmabgaben. Voraussetzung: Weder der Wähler noch das System dürfen etwas davon bemerken. 17.581 Euro bekommt der Hacker, der die Stimmabgaben manipuliert, aber vom System bemerkt wird. 8790 Euro gibt es immerhin noch für denjenigen, der die Daten eines Wählers veröffentlicht und verrät, wen er gewählt hat.

Das sagen die Kritiker

Kritiker bemängeln, dass die Prämien, die die Schweizer Post zur Verfügung stellt, viel zu gering sind. Es wird bezweifelt, ob sich überhaupt ambitionierte Hacker anlocken lassen, denn normalerweise wird für solche Tests deutlich mehr bezahlt. Die Kritiker gehen noch einen Schritt weiter und werfen der Schweizer Post vor, dass sie sich selbst inszenieren will. Zudem sind bei den Tests viele der gängigen Methoden verboten, mit denen Hacker normalerweise arbeiten. Mittlerweile gibt es die Volksinitiative „Für eine sichere und vertrauenswürdige Demokratie“, die den Schweizer Traum vom E-Voting endgültig begraben möchte.

Nach Meinung vieler Schweizer gefährdet die elektronische Wahl die Sicherheit der Demokratie. Sie plädieren für die altbekannte Methode mit Wahlkabine, Wahlzettel und Kugelschreiber. Diejenigen, die sich für das E-Voting aussprechen, werfen den Kritikern vor, den Fortschritt zu behindern. Im Jahre 2004 wollte die Schweiz schon einmal elektronische Wahlen einführen, und zwar mit einem System, was es bereits im Kanton Genf gab. CHVote erwies sich jedoch als viel zu komplex und zu teuer, daher wird es im nächsten Jahr eingestellt.

Bild: @ depositphotos.com / andriano_cz

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
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