Facebook hat die nächste Datenpanne

Facebook hat die nächste Datenpanne

Die Probleme bei Facebook nehmen kein Ende. Es ist erst ein paar Wochen her, da behauptete das größte soziale Netzwerk der Welt, es seien nur einige Tausend Passwörter von Instagram Usern, die unverschlüsselt gespeichert wurden. Jetzt sind es auf einmal Millionen von Passwörtern. Ende März musste der Konzern zugeben, dass „versehentlich“ Millionen von unverschlüsselten Nutzerpasswörtern abgespeichert wurden. Auch von einigen Tausend Passwörtern für Instagram war anfänglich die Rede. Nun muss Facebook noch einmal nachlegen und gesteht, wie groß das Ausmaß der Datenpanne wirklich ist.

Keine Nachteile

Plötzlich sind bei Facebook noch zusätzliche Login-Dateien aufgetaucht, in denen sich abgespeicherte Passwörter befanden. Facebook will jetzt die betroffenen Nutzer informieren, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Facebook geht davon aus, dass den Nutzern keine konkreten Nachteile entstanden. Angeblich hat niemand auf die Daten zugegriffen. Bemerkenswert an diesem Vorfall ist die Tatsache, dass ein Konzern wie Facebook die einfachsten Regeln der IT-Sicherheit nicht beachtet. Eine dieser Regeln lautet: Die Speicherung der Passwörter von Nutzern darf auf gar keinen Fall unverschlüsselt erfolgen. Hacker und „böse“ Angestellte könnten ansonsten die Gunst der Stunde nutzen und auf diese Passwörter zugreifen. Ebenfalls erstaunlich an dieser Geschichte ist die seltsame Kommunikation des sozialen Netzwerks. Es gibt keinen einzigen Blogpost, sondern weiter nichts als ein nüchternes Update zu einem bereits bestehenden Post.

Facebook arbeitet mit der „Salami-Taktik“

Die seltsame Reaktion von Facebook auf die erneute Datenpanne wirft ein schlechtes Licht auf den Konzern. Selbst der Zeitpunkt, um mit einem weiteren kleinen „Geständnis“ an die Öffentlichkeit zu gehen, war in hohem Maße klug gewählt. In den USA gelangte die Geschichte am Donnerstag letzter Woche in die Öffentlichkeit. Die amerikanischen Medien waren an diesem Tag zu sehr mit dem sogenannten Mueller-Report beschäftigt, auf Facebook achtete kaum jemand. Facebook arbeitet bei dieser neuerlichen Panne einmal mehr mit der berühmten „Salami-Taktik“. Das heißt, der Konzern gibt nur scheibchenweise zu, das etwas falsch gelaufen ist. Eine Frechheit ist die Überschrift „Passwörter sicher halten“, denn Facebook selbst hat es nicht geschafft, die Passwörter seiner User sicher aufzubewahren. Wie viele Nutzer von Instagram tatsächlich betroffen sind, darüber schweigt sich das größte soziale Netzwerk der Welt bis jetzt aus. Facebook kann zudem nicht sicher sagen, ob einer der 2000 Angestellten, die für diese Dinge zuständig sind, nicht auf die Passwörter zugegriffen hat.

Immer mehr Verteidigungslinien

Facebook ist schon seit einigen Jahren damit beschäftigt, in der Öffentlichkeit Verteidigungslinien aufzubauen. Kommen Anfragen von der Presse, dann reagiert das Unternehmen schmallippig und meist wachsweich. Fehler gibt Facebook, wenn überhaupt, nur zögerlich zu, freiwillig wird kein Zentimeter Boden aufgeben. Wenn es wie jetzt zu einer Panne kommt, können die Nutzer nie sicher sein, wie groß der Schaden tatsächlich ist.

Es war nicht die erste Datenpanne bei Facebook und wird auch nicht die letzte Panne sein. Zwar beteuert das Unternehmen, aus seinen Fehlern zu lernen, aber die erneuten Schwierigkeiten bei Instagram sagen leider etwas anderes. So sind auch alle Beiträge vom Gründer des Unternehmens Mark Zuckerberg aus dem Jahre 2008 verschwunden. Auch einige ausgewählte Kommentare aus den Jahren 2011 und 2012 sind plötzlich nicht mehr auffindbar und keiner weiß, warum das so ist.

Bild: @ depositphotos.com / denrud

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
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