Spionage per App – was steckt hinter der App, die altern lässt?

Spionage per App – was steckt hinter der App, die altern lässt?

Wer wissen will, wie er in 20 oder 30 Jahren aussieht, kann das jetzt in nur wenigen Sekunden mithilfe einer neuen App erfahren. FaceApp heißt diese App, die seit einigen Tagen die Hitliste der beliebtesten Apps anführt. Millionen Menschen haben die App schon heruntergeladen und gestaunt, wie alt sie doch aussehen. Was viele nicht wissen, FaceApp steht unter Verdacht, eine Spionage per App zu sein, so harmlos, wie es scheint, ist der Spaß offenbar nicht.

Die Datenschützer sind alarmiert

Gibt es die Spionage per App? Politiker und Datenschützer schlagen Alarm, denn die App, die altern lässt, kommt aus Russland. Dahinter verbirgt sich die Firma Wireless Lab aus St. Petersburg, die das Programm bereits vor zwei Jahren entwickelte. Bei der vermeintlichen Spionage per App handelt es sich um eine Form von künstlicher Intelligenz, die jedes Gesicht auf Fotos älter oder jünger macht. Jedes Bild wird dabei auf einen Server geladen, anschließend verwandelt und auf das Smartphone des Nutzer zurückgeschickt. Wer die Android-Version der App auf seinem Handy installiert hat, erhält jedoch keinen Hinweis, dass die Fotos für die Bearbeitung das Gerät verlassen. Einen Hinweis bekommen nur die Besitzer eines iPhones. Bei dieser Variante ist zu lesen, dass die Fotos zur Umwandlung in eine Cloud gehen.

Nur vorübergehend

Von einer Spionage per App kann keine Rede sein, beschwichtigen die Macher von FaceApp. Die Fotos landen nur vorübergehend in einer Cloud, da diese eine höhere Rechenleistung hat als die Geräte der Nutzer. Zudem wollen die Macher von FaceApp vermeiden, dass ein Foto für die Bearbeitung jedes Mal neu übertragen wird. Von Spionage per App kann also keine Rede sein, zumal die Fotos, die auf den Servern landen, innerhalb von 48 Stunden wieder verschwinden. Das sagen zumindest die Betreiber der App. Alles ist nur ein Spaß und eine Spionage per App ist vollkommener Blödsinn.

Das FBI bleibt skeptisch

Fast alle Unternehmen aus St. Petersburg, die wirtschaftlich erfolgreich sind, haben häufig auch enge Verbindungen zur russischen Regierung. Daher steigt die Sorge, dass es sich doch um eine moderne Spionage per App handelt. Was passiert mit den hochgeladenen Daten? Wo landen diese Daten? Das FBI macht sich bereits große Sorgen und ist skeptisch, ob bei der App, die altern lässt, alles mit rechten Dingen zu geht. Die ersten Stimmen aus dem US-Senat verlangen jetzt, dass sich das FBI die Spionage per App etwas genauer ansieht. Beunruhigend ist, dass die persönlichen Daten der Menschen aus den USA einer „feindlichen, ausländischen Macht“ zur Verfügung stehen, so Chuck Schumer, der Fraktionschef der Demokraten im Senat. Er hat die Befürchtung, dass Putin hinter der App steckt, um auf diese Weise Spionage zu betreiben.

Ob tatsächlich Wladimir Putin hinter der Spionage per App steht, lässt sich weder beweisen noch belegen. Yaroslav Goncharov, der Gründer von Wireless Lab bestreitet Verbindungen zum Kreml oder zum russischen Geheimdienst. Es gibt weder Geld noch irgendein Projekt oder auch nur eine Verbindung zur Regierung, so der Chef von Wireless Lab. Selbst wenn die Firma ihren Sitz in Russland hat, heißt das noch lange nicht, dass die Daten auch an den Kreml gehen.

Bild: @ depositphotos.com / alexlmx

Ulrike Dietz

Ulrike Dietz ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern und lebt im Hochsauerland. Die Journalistin und Buchautorin schreibt Artikel zu vielen verschiedenen Themen.
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