Digitalisierung schuld an Tempolimit! Porsche-Chef auf Abwegen!

Der Porsche-Vorstandsvorsitzende Blume sagte in der  „Welt“, so wie viele Porschefahrer und auch viele seiner Kollegen im Unternehmen sehe er die Tempofreiheit in Deutschland als eine persönliche Freiheit an. Oh my God. Ernsthaft. Heisst umgekehrt: wenn wir als letztes Land der Welt ein Tempo-Limit einführen beginnt unweigerlich die Diktatur? Und damit sind wir beim Thema Digitalisierung.

Natürlich ist es bitter, wenn unser aller liebstes Spielzeug in die Bedeutungslosigkeit abrauscht, nach sovielen Jahren freier Fahrt auf chronisch verstopften Autobahnen. Ähnlich wie Porsche-Blume jammerten die Droschkenkutscher vor mehr als 100 Jahren, dass eine Zivilisation ohne Kutschen verloren sei. Der größte Verlust war dann in Wahrheit, dass Hobbygärtner kaum noch Pferdeäpfel in den Straßen fanden. Das Leben ging weiter.

Nun kann man heute eine Mitte 20jährigen Digitalexpertin/Social Media-Kommunikatorin/Programmiererin bei einem Bewerbungsgespräch kaum mehr in Verlegenheit bringen als mit der Frage, ob sie denn einen „Dienstwagen“ möchte. Selbst diese Generation hat gelernt, das man auf blöde Fragen immer höflich antworten soll. Fällt bei dieser Frage schwer und da rutscht so manchem Nachwuchstalent schon mal ein „Oh nein, was soll ich damit?“ raus. Durch die Blume gesprochen: Bewerber unter 30 Jahren halten alleine die Frage für steinzeitlich, carsharing-Kontingente und Fahrräder (gute!), dass wird noch akzeptiert. Ist ja auch richtig.

Freunde und Bekannte berichten, dies gelte nicht nur für die Digitalbranchen, man/frau mache gerade so noch Führerschein, aber einen stinkenden Wagen, der ständig im Parkverbot endet, Geld frisst und und und… persönliche Freiheit! Was ist mit der persönlichen Freiheit? Wie schaffen die das denn? Selbst ein Tesla ist nicht erwünscht! Auch kein Smart. Einfach – kein Auto. Die wollen nicht.

 

Es sind bei diesen verlorenen Seelen unter 30, 35 Jahren so merkwürdige neuzeitliche Erscheinungen persönlicher Freiheit, die unverblümt so aussehen:

  • Arbeiten wo ich möchte, wenn irgend möglich
  • Arbeiten wann ich möchte und wann es am sinnvollsten ist
  • Es gibt neben der Arbeit noch andere Dinge, die Spaß machen
  • Arbeit mit einem erkennbaren Sinn macht es noch mehr Spaß
  • Arbeit in einem diskrimierenden oder umweltschädigen Unternehmen nur wenn ich gerade mein WG-Zimmer nicht mehr bezahlen kann

 

Natürlich geht es nicht immer und ein Friseur oder eine Friseurin können schlecht „remote“ von der Karibik aus arbeiten, haben aber auch keine Chance, jemals einen dieser freiheitsbringenden Tiefflieger zu finanzieren. Sind sie deswegen unfrei? Fehlt ihnen deswegen persönliche Freiheit?

Nun aber doch noch eine Lanze für diesen schwäbischen Autohersteller gebrochen (nicht aber für den CEO): Nachhaltigkeit ist ja auch, wenn ein Wagen, dort 1975 vom Fließband gelaufen, immer noch fährt wie eine Eins.

Mehr kann man aus Rohstoffen nicht herausholen, mehr unkaputtbare Technik geht nicht. Wenn man diesen Wagen mit (aus Lautstärkegründen) maximal 140 km/h auf der Autobahn bewegt ist das tiefenentspannt – wer mehr braucht, sollte darüber nachdenken, ob er die Zeitenwende, in der wir uns befinden, so richtig hinbekommt. Das die Klimaveränderung mitsamt Erderwärmung das Thema „geistloses Rasen auf öffentlich finanzierten Rennstrecken“ nicht gerade positiver daher kommen lässt ist auch klar. Eigentlich, also nicht jedem. Das Oldtimer – siehe Bild oben – bald nur noch mit Elektro-Ersatzmotor fahren dürfen geht schon in Ordnung.

Mit der Digitalisierung hat sich nicht einfach eine neue technologische Entwicklung eingestellt, diese Entwicklung verändert natürlich Gesellschaften, Denkweisen, Prioritäten. Bedenklich, wenn ausgerechnet der Chef eines großen deutsche Unternehmens dies so gar nicht versteht. Loslassen ist ein schmerzlicher Prozess in der Liebe, aber in der Wirtschaft hat dieser Schmerz nichts zu suchen. Veränderungen sind Chancen. Wer sie nicht nutzt, sondern in alten Denkmustern verharrt, geht unter. Ganz schnell, mit oder ohne Tempolimit.