Roboterjournalisten haben Urheberschutz!

China ist nicht unbedingt das Land, das beim Thema „Schutz von Journalisten und Medien“ einfällt. Für die Urheberrechte textgenerierender Software hat ein Gericht in Shenzhen nun aber ein bahnbrechendes Urteil gefällt: Texte, die durch künstliche Intelligenz automatisch generiert werden, sind urheberrechtlich geschützt. Für den „Roboterjournalismus“ ein wichtiger Schritt, wenn zunächst nur in China.

Geklagt hatte der Internet-Riese Tencent, der unter anderem von seiner Software „Dreamwriter“ Artikel zu Finanznachrichten künstlich erstellen lässt. Solche Artikel hatte die Shanghai Yingxun Technology Company für eine eigene Plattform verwendet und damit, so das Volksgericht des Bezirks Shenzhen Nanshan, gegen das Urheberrecht von Tencent verstoßen.

Die Geldstrafe fällt gering aus, spannender ist die Begründung des Urteils: das Gericht sagte, dass die Ausdrucksform des Artikels den Anforderungen an eine professionelle schriftliche Arbeit entspricht und der Inhalt die Auswahl, Analyse und Beurteilung relevanter Börseninformationen und -daten in journalistischer Kompetenz darstelle. Der Artikel sei vernünftig strukturiert, die Logik klar und er weise sogar eine gewisse Originalität auf.

Bislang gibt es erhebliche Differenzen in der Frage ob Werke – Texte, Musik, Bilder – die von Maschinen erzeugt wurden, durch das Urheberrecht geschützt sind, da die „kreativen Kräfte des Geistes“ fehlen würden.

Nach unserem Urheberrechtsgesetz betont die Definition eines Werkes zunächst, dass die Schöpfung original, reproduzierbar und auf der Grundlage menschlicher geistiger Tätigkeit hergestellt ist. Die menschliche Intelligenz ist also der Kern und die Voraussetzung„, sagte Wang Guohua, ein Anwalt der Anwaltskanzlei Zhongwen, der die verurteilte Plattform vertritt. Wenn der Inhalt von Maschinen produziert werde, nachdem Menschen einige Schlüsselwörter eingegeben hätten, dann sollten die Maschinen zwar der Autor sein und nicht die menschliche Intelligenz, aber daraus ließe sich kein Urheberrecht für Maschinen ableiten.

Diese Argumentation ist von der Entwicklung überholt: einige Schlüsselworter, aus denen sich dann ein strikt regelbasierte Software Texte zusammenstellt, ist nicht mehr der status quo. Im Gegenteil, ein Entwickler hat heute keine Chance mehr zu wissen, mit welchen Wörtern seine Software einen bestimmten Sachverhalt ausdrücken wird. Selbst raten ist unmöglich.

Wenn ein erfolgreicher Thriller-Autor von seinem Verlag das Briefing bekommt, er möge doch bitte über eine dramatische Entführung im New Yorker Central Park schreiben ist der Schriftsteller der Urheber und nicht der Verlag, der lediglich dazu aufgefordert hat sich dieses Themas anzunehmen. Noch nicht ganz soweit, aber schon sehr nahe dran ist der Kollege oder die Kollegin Roboterjournalist/in. Es wird in der Zukunft noch viele Gerichtsurteile und Diskussionen um den Schutz digitaler Werke geben, nicht nur in China.