Internetzugang – es geht um die letzten 3,2 Milliarden

Für uns kaum vorstellbar, aber 40 Prozent der Gesamtbevölkerung der Welt – etwa 3,2 Milliarden Menschen – sind noch immer nicht an das Internet angeschlossen. Gar nicht, haben also wirklich keinen Zugang. Gut, selbst in abgelegenen afrikanischen oder asiatischen Dörfern wissen die Kids inzwischen, welche Hilfsorganisationen in ihrem Camp satellitengestützte Terminals oder Smartphones haben, auf denen mal kurz eine Runde gespielt oder recherchiert werden kann wie das Wetter wird – mehr nicht.

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Die Zahl der Menschen auf der ganzen Welt, die das Internet nutzen, ist im Januar 2020 auf 4,54 Milliarden angewachsen, ein Anstieg von 7 Prozent (+298 Millionen seit 1/2019). 60% von uns in den westlichen Staaten und China sind mehr oder weniger „always online“.

Weltweit gibt es im Januar 2020 rund 3,80 Milliarden Social-Media-Nutzer, wobei diese Zahl innerhalb von 12 Monaten noch einmal um mehr als 9 Prozent (321 Millionen neue Nutzer) gestiegen ist.

Aber das „WorldWideWeb“ ist trotz dieser beeindruckenden Zahlen noch nicht fertig gebaut.

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Südasien und Afrika – kein Wlan, kein Funkmast

In den südasiatischen Ländern ( Teile Afghanistans, Bangladesch, Bhutan, Indien, Malediven, Nepal, Pakistan, Sri Lanka) leben rund eine Milliarde der 3,2 Milliarden „Zugangslosen“. Auf alle afrikanischen Länder entfallen 27 Prozent der Nicht-NutzerInnen (870 Millionen).

Warum die fehlenden Zugänge zu Wissen und Handel in diesen Regionenso gravierende Auswirkungen haben: die Hälfte der Gesamtbevölkerung Afrikas ist unter 20 Jahre alt, und in ganz Südasien gibt es mehr als 460 Millionen Menschen unter 13 Jahren. In den am wenigsten entwickelten Ländern (Least Developed Countries) haben sogar nur 17,5 Prozent der Menschen einen Zugang zum Netz aller Netze. WorldWideWeb?

Per Internetzugang lassen sich Existenzen aufbauen

Unsere Entwickler im ansonsten weitgehend internetlosen Pakistan sind deutschen Entwicklern meistens voraus, weil sie Online-Learning als kontinuierlichen Ausbildungs- und Fortbildungsprozess sehen, vor allem die auch in Pakistan mehr werdenden weiblichen Programmierer. Dort, wo kein Internetzugang existiert, entfällt jedes Online-Training und damit ganz erhebliche Möglichkeiten sich eine Existenz aufzubauen, gerade für junge Frauen.

Fehlender Internetzugang ist nicht alleine schuld 

Das der Koordinator unserer Entwickler erst auf sanften Druck (hervorragende) weibliche Programmierinnen (Python, R, HTML5) einstellte hatte allerdings nichts mit Diskriminierung zu tun: erst als gewährleistet war, das immer zwei männliche Kollegen die Frauen nach der Arbeit nach Hause begleiten können, wurden sie eingestellt. Frauen mit hochqualifizierter Tätigkeit und für westliche Firmen arbeitend leben in Pakistan gefährlich.

Frauen werden vom Internetzugang ferngehalten

Bei ohnehin nicht ausreichenden Internetzugängen bringen sich viele Gesellschaften um Entwicklungsmöglichkeiten, sowohl wirtschaftliche als auch gesellschaftliche.  Denn dort, wo Internetzugänge funktionieren, sind Frauen im Vergleich zu Männern eher „unverbunden“. Die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen in Südasien und Afrika soziale Medien nutzen, ist heute dreimal geringer ist als bei Männern. Der Grund ist simpel: pro Familie gibt es maximal ein Handy und das hat der Mann.

Welche gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen dieses mittelalterliche Rollenverhalten hat ist kaum abschätzbar. Ausgerechnet in Afrika, so Studien der UNESCO, werden diese Benachteiligungen sogar noch größer statt geringer.

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Alles mobile – stimmt so nicht

Zwischen den westlichen Hightech-Staaten und den finanzschwachen südasiatischen und afrikanischen Staaten gibt es noch einen großen Unterschied: Zwar können sich weltweit 92 Prozent der Web-Nutzer über mobile Geräte (5,2 Milliarden Menschen)  verbinden, aber im Alltag gehen drei Viertel der Internetnutzer im Alter von 16 bis 64 Jahren immer noch über Laptop und Desktop-Computer online.

In den Industriestaaten liegt das schlicht am komfortablen Bürorechner. In den weniger reichen Ländern ist die mobile Verbindung meist zu teuer, selbst das Internetcafe in Bamako/Mali ist preiswerter als eine mobile Nutzung. Weltweit nutzen inzwischen mehr als 5,19 Milliarden Menschen ein Mobiltelefon. Aber Datentransfer, Online-Trainings, Collaboration-Plattformen, Downloads bleiben für viele unerschwinglich.

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Breitbandtechnologien sind zentral für nachhaltige Entwicklung. Ein besserer Zugang zu diesen Technologien kann substanzielle Fortschritte beispielsweise in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Ernährungssicherheit bewirken. Wir müssen deshalb in Breitbandtechnologien investieren und Menschen die notwendigen Nutzungskompetenzen vermitteln. Nur so können alle von der Digitalisierung profitieren. Lassen wir nicht zu, dass sich der Abstand vergrößert“, fordert Prof. Dr. Verena Metze-Mangold, Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission.

The winner will take it all

Ohne Zweifel sind 3,2 Milliarden Menschen ohne Internetzugang ein gigantisches Problem für die Weltgesellschaft. Aber auch die Garantie für Billionen-Umsätze.

Die letzten 3,2 Milliarden Menschen werden bald im Internet surfen können und die Macht der Technologie-Königreiche noch einmal vergrößern. Die einzig ernstzunehmenden Konkurrenten um die letzten 3,2 Milliarden Amazon-Microsoft-Google-Apple-Facebook-Kunden kommen aus China. Europa wird überhaupt keine Rolle spielen.

Die neue Weltmächte kreisen um die Erde

Die in Europa weitgehend unbekannte chinesische Tech-Firma LinkSure aus Shanghai wird in diesem Jahr beginnen, weitere 260 der insgesamt 271 Satelliten ins All zu bringen. Die ersten 11 Satelliten funktionieren offenbar reibungslos. Dieses satellitenbasierte Konzept ist definitiv nicht einzigartig, aber mit nur 475 Millionen Euro Kosten deutlich preiswerter als alle Konzepte aus den USA.

Elon Musk, der Tesla-Bauer,  schätzt die Kosten für die von ihm geplanten 12,000 (!) Klein-Satelliten für die globale Abdeckung mit Hochgeschwindigkeits-Internetzugängen auf rund 10 Milliarden Dollar – oder mehr. Allerdings rechnen Analysten damit das der Visionär mit seinen Satelliten-Firma SpaceX dann einen jährlichen Umsatz von mehr als 30 Milliarden Dollar erzielen wird.

Facebook und Google gehören zu den US-Unternehmen, die ähnliche Initiativen, wenn auch in kleinerem Maßstab, gestartet haben: wer den Satelliten hat, hat den Zugang zu dem letzten unerschlossenen Massenmarkt des Planeten. Technisch sind fast alle Barrieren bereits ausgeräumt:

Googles kostenloses WiFi-Angebot „Google Station“ ist erfolgreich eingeführt worden: in Südafrika sind Nutzer an 125 Standorten in Langa, Khayelitsha, Gugulethu, Delft, Elsies River und Philippi bereits mit Googles kostenloser, alltäglicher Internet-Konnektivität verbunden. So wie Teile Indiens, Mexikos und Indonesiens.

Fazit:

Es wird höchste Zeit denen mehr als 3 Milliarden Menschen, die keinen Internetzgang haben, eine sichere und schnelle Verbindung zur Verfügung zu stellen. Dies wäre eine großartige Aufgabe für Weltorganisationen gewesen, für die EU, für ein europäisches Konzernkonsortium.

Für Afrikaner und Süd-Asiaten wächst zur Zeit die Kluft zu Handelsmöglichkeiten und Bildungschancen im Vergleich zu den flächendeckend versorgten reicheren Staaten in brutaler Geschwindigkeit. Das SpaceX, Google oder chinesische Anbieter diesen unvorstellbar großen Markt nicht uneigennützig mit Highspeed-Internet versorgen möchten ist klar und ihnen überhaupt nicht zu verdenken. In Europa und Deutschland sind die letzten 3,2 Milliarden Menschen ohne Zugang eh kein Thema, weder in Politik noch in Unternehmen.

Erst wenn die Satelliten-Betreiber erklären werden, wer Inhalte und welche Inhalte über ihre Weltraum-Sender verbreitet werden dürfen, wird Europa aufwachen. Und mindestens eine Resolution verabschieden!

(Editor: robot, with the help Wolfgang Zehrt)