Kostenloser Internetzugang für Schwellenländer – Google auf Rückzug

(ddna) Erst vergangene Woche hatten wir berichtet, das Google mit dem Service „Google Station“ zahlreiche Schwellenländer mit kostenlosem WLan versorgt, unter anderem Südafrika. Jetzt wird „Google Station“ von dem Mutterkonzern Alphabet überraschend beendet; sehr abrupt, denn an der Südspitze Afrikas war „Station“ erst am Ende vergangenen Jahres gestartet worden, mit einem aufwändigen Event für die 126 ausgewählten Regionen. In Indien gab es diesen Service bereits seit 2016.

Zwei denkbare Gründe, die Google angibt, dürften zumindest einem Teil der Wahrheit entsprechen:

  • Mobile Daten in den Schlüsselmärkten werden immer billiger. Laut Google wird Station in Indien zwar immer noch stark genutzt, aber durch die breitere Verfügbarkeit des schnellen Internets hat der Dienst an Bedeutung verloren. Aber warum dann eine spektakuläre Einführung in Südafrika vor gerade mal drei Monaten?
  • Der zweite Grund, von Google selbst angeführt, ist schon überzeugender: Google konnte nach eigenen Angaben kein nachhaltiges Geschäftsmodell für das Programm finden.

Google versuchte unterschiedliche Monetarisierungsstrategien wie das Anzeigen von Werbung, bevor man sich einloggen konnte, aber dies schien keine ausreichenden Erlöse zu bringen.

Caesar Sengupta, „Vice President of Payments and Next Billion Users bei Google“, sagte in einem Interview:

Die Herausforderung der unterschiedlichen technischen Anforderungen und der unterschiedlichen Infrastruktur unserer Partner in den verschiedenen Ländern hat es für Station ebenfalls schwierig gemacht, zu skalieren und nachhaltig zu sein, insbesondere für unsere Partner. Und wenn wir evaluieren, wo wir in Zukunft wirklich etwas bewirken können, sehen wir einen größeren Bedarf Funktionen so zu gestalten, dass sie für die Märkte der nächsten Milliarde Nutzer besser funktionieren.

Aber ein weiterer Grund könnte das Ende dieses Programms entscheidend mitbestimmt haben, ein Programm, dass nach Google-Statements vor allem Armen und Arbeitslosen einen einfachen Zugang zur Kommunikation ermöglichen sollte:

der Google-Mutterkonzern Alphabet Inc. konnte zwar den Umsatz im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2019 um 19 Prozent auf knapp 36,34 Mrd. US-Dollar steigern. Aber der Erlös aus dem Umsatz ging ganz erheblich zurück: die Marge fiel binnen eines Jahres von 25% auf 18% Prozent und das ist keine gute Story für Anleger. Zeit sich von gutgemeinten und wichtigen Projekten schnell zu verabschieden?