Google, Facebook, Twitter – nicht schuldig!

(ddna) Das wäre ja auch einfach: Google, Facebook, Instagram und alle anderen „sozialen Medien“ sind selbst dafür verantwortlich, dass ihre Reichweite nicht missbraucht wird: nicht von Kinderschändern, nicht von Nazi-Terroristen, nicht von Panikmachern. Sie sind dafür verantwortlich, weil sie technische Lösungen bereitgestellt haben, um dunkle Inhalte überhaupt erst verbreiten zu können. Könnte man argumentieren.


Technisch kann man das nicht lösen: selbst weit entwickelte Textanalyse-Programme scheitern an sprachlichen Formen wie Zynismus, Sarkasmus oder schlicht an Tatsachenbehauptungen, die der Wahrheit entsprechen könnten. „10.000 Flüchtlinge in Starnberg“ ist für jede Software zunächst einmal wahr. Bis ein Mensch einschreitet. Denn bis diese Aussage mit einem ebenfalls aus dem Internet bezogenen tagesaktuellem Weltwissen abgeglichen werden kann dauert es noch. Und dann wird es „seriöse“ Quellen geben, die diese Zahl bestätigen. Eine never ending story.


Sind Facebook und Co verpflichtet, den Unrat aufzusammeln und über den Gartenzaun zu werfen? Ist das ihre Aufgabe? Wenn ein durchgeknallter Autofahrer auf einer Landstraße mit 120 km/h in den Gegenverkehr rast wird nicht das Straßenbauamt zur Verantwortung gezogen, weil es durch die von ihm gebaute Straße diesen Unfall möglich gemacht hat. Sind die sozialen Medien mehr als digitale Straßen?


Die Tech-Konzerne müssen dazu verpflichtet sein

• die leicht als gefährlich feststellbaren Inhalte zu löschen (Antisemitismus, Aufrufe zur Gewalt, massiver Rassismus, massiver Sexismus usw.)
• die Nutzerdaten bei einem Anfangsverdacht einer Straftat an die Behörden zu geben
Organisierte (Schmutz)-Kampagnen aus Politik und Industrie zu identifizieren und zu blocken


Facebook hat zum Beispiel in diesem Monat mehrere mit hohem Aufwand gefälschte Nachrichtenquellen auf seiner Plattform und in Instagram identifiziert und entfernt. Initiator der „Nachrichtenquellen“ war ein südostasiatisches Telekommunikationsunternehmen mit dem Ziel, Konkurrenten zu diskreditieren. Laut Nathaniel Gleicher, dem Leiter der Sicherheitspolitik von Facebook, wurden die gefälschten und angeblich von neutralen Usern angelegten Nachrichtenseiten mit staatlichen Telekommunikationsunternehmen, nämlich Myanmar’s Mytel und Vietnam’s Viettel, verlinkt. Die Page-Admins und Account-Eigentümer gaben gefälschte Posts über angebliche geschäftliche Misserfolge, Betrug an Kunden und den geplanten Marktaustritt einiger Wettbewerber weiter.


Das „Digital Forensic Research Lab des Atlantic Council“ fand heraus, dass die Fake-Seiten auch massenhaft dazu aufriefen, einen bestimmten Code auf den Konkurrenz-Seiten aufzurufen, um auf 10 GB zusätzliche Daten zuzugreifen. Dadurch wurde der Code-Zugriff extrem verlangsamt und das Angebot dieses Wettbewerbers auf den „unabhängigen Seiten“ als Blindgänger und betrug dargestellt. Facebook schätzt, dass etwa 1,2 Millionen Dollar für diese Kampagne ausgegeben wurden, und zum Schluss immerhin 265.600 FB-Nutzer den fake-accounts folgten.



Solche Kampagnen müssen von den Netzwerk-Veranstaltern natürlich erkannt und bekämpft werden, aber darüber hinaus? Unterstellungen, Diffamierungen, radikale aber noch legale Ansichten sollen von den Erbauern der digitalen Straßen mit Millionenaufwand herausgefiltert werden? Hier wird gesellschaftliches Versagen und fehlende Prävention an Technikbetreiber weitergereicht.


Facebook, Google, whatsapp, Twitter: das sind kein-e Medienunternehmen und die von ihnen verantworteten Dienste sind alles, aber sicher nicht Medium und schon gar nicht sozial. Sie können für Medieninhalte und sie können für soziale Interaktion genutzt werden, so ist ja auch die Gründungsidee, aber eben auch für das Gegenteil, für Lügen und um den sozialen Frieden zu stören. Eine umfassende Kontrolle der „sozialen Medien“ aber könnte nur fake-news sein und ist nicht von den Betreibern technischer Netzwerke zu verlangen.