Die Krise als Chance: Corona treibt die Digitalisierung voran

Der berühmte Konzertsaal an der Elbe blieb leer

Der berühmte Konzertsaal an der Elbe blieb leer

Corona und die Folgen: Wie Streaming das Live-Erlebnis ersetzt

Not macht erfinderisch. Während wegen der Corona-Krise immer mehr Veranstaltungen in Deutschland abgesagt werden, setzen Veranstalter auf Live-Streaming von Events. Und für private Nutzer gibt es Apps und Gratis-Dienste zur Live-Videokommunikation. Corona leert langsam die Konzertsäle: diese Woche spiele James Blunt in der leeren Hamburger Elbphilharmonie ein erstes “Geisterkonzert”. Der Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus erlaubte keine 2.100 Zuschauer vor Ort, dafür sahen zwischen 7.000 und 21.000 live per Stream zu, wie Blunt und seine Band gut gelaunt vor leeren Rängen spielten.


Solche Konzerte dürften das Modell der Zukunft sein – definitiv aber für die nächsten Monate, wenn das Virus das öffentliche Leben beeinträchtigt„, sagt Blunt. Die elbphilharmonie bleibt, wie viele andere Konzertsäle auch, bis Mitte April geschlossen. In Berlin ist die Staatsoper Unter den Linden wegen des Corona-Virus für Publikum geschlossen. Der Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) übertrug die Oper „Carmen“ dafür frei Haus: im Facebook-Livestream und live im Radio. Musik am Rechner statt im Opernsaal. Technisch kein Problem. Die Berliner Philharmonie, mit der Digital Concert Hall Pionier des Live-Streamings, bleibt bis zum 19. April geschlossen.


Corona sorgt für Streaming-Schub

Der neuartige Corona-Virus könnte einen ähnlichen Schub für das Streaming auslösen, wie SARS es für das Online-Shopping in Asien getan hat. Auch Uni-Prüfungen können problemlos online stattfinden. Die Technische Universität Berlin plant in den nächsten Wochen Online-Tests für ihre Studenten.

Klausuren sollen sie am Computer zu Hause statt in der Uni schreiben.Die zeitliche Begrenzung für die Prüfungen bleibe, sagt TU-Präsident Christian Thomsen. Vielleicht würden die Online-Klausuren etwas schwerer ausfallen, weil mehr Hilfsmittel greifbar seien. „Aber mit null Kenntnis kommt man auch mit mehr Hilfsmitteln nicht durch“, so Thomsen.


Lernplattformen statt Unterricht

Auch für Schulen könnten Lernplattformen und Online-Chats eine Alternative zum Unterricht sein. “Macht die Schulen zu!”, forderte Redakteur Armin Himmelrath auf spiegel.de, “und nutzt die Zeit, um digitales Unterrichten auszuprobieren.” Vielleicht ließen sich die “Coronaferien” ja auch kreativ nutzen, so Himmelrath: Lehrkräfte, Eltern und Schüler könnten gemeinsam neue Formen des Lernens ausprobieren. “Mit Lernplattformen und Videokonferenzen, Chats und online gemeinsam bearbeiteten Dokumenten”. Die Krise als Chance für die schleppende Digitalisierung des deutschen Bildungssystems.


Auch das Home Office erlebt in Corona-Zeiten einen Boom: in Deutschland haben bislang ungefähr 12% aller Erwerbstätigen zumindest überwiegend von Zuhause gearbeitet. Springer schickt ab Montag, 16. März seine Mitarbeiter nach Hause und lässt sie remote arbeiten. Viele Redaktionen ermöglichen den Remote-Zugriff auf das Redaktionssystem per Civic, Laptop und WLAN. Die Kommunikation erfolgt oft per Slack, Skype oder mit anderen Kommunikationstools. Andere Unternehmen werden folgen – oder haben den Schritt schon vollzogen. Schon jetzt hat der Internet-Traffic in Deutschland eine neue Rekordmarke geknackt.


Kostenlose Alternativen: Videochats statt Meeting

Für Privatpersonen bieten sich kostenlose Apps und Dienste an, die Reisen, Meetings und 1-zu-1-Kommunikation ersetzen können. Wie zum Beispiel Microsofts Skype, Google Hangouts, WhatsApp Videoanrufe oder Apples FaceTime. Die Technik ist relativ einfach zu bedienen, läuft auf Windows-PCs und Macs, Android und Apple-Smartphones und Tablets und ist kostenlos.


Skype ist kostenlos und kann als App oder Programm hier heruntergeladen werden. Damit lassen sich andere Skype-Teilnehmer anrufen und Videochats machen. Gegen Gebühr können auch Festnetz- und Handynummern angerufen werden,


Google bietet mit Hangouts eine Alternative für alle Google-Nutzer an. Der Dienst ist ebenfalls kostenlos, er ermöglicht kostenlose Chats und Videokonferenzen. Besonders praktisch: Bildschirminhalte lassen sich per Video teilen, zum Beispiel, um eine Präsentation zu zeigen oder um zu zeigen, wie bestimmte Einstellungen gemacht werden. Infos zu Hangouts finden sich hier. WhatsApp ist auf vielen Smartphones die beliebteste Kommunikations-Tool, kostenlose Anrufe lassen sich auch mit Live-Video machen, indem man bei einem Call einfach auf das Videoanruf-Symbol tippt. Ähnlich einfach funktioniert FaceTime auf Apple Smartphones, Tablets und Macs, die App ist auf allen Geräten vorinstalliert und ermöglicht kostenlose Live-Videocalls.


Könnte die Corona-Krise für einen technischen Innovationsschub sorgen?

Gut möglich. Der Data-Scientist Jonas Westphal fasste seine Wünsche schon mal in einem Tweet zusammen: “Vielleicht nutzen wir Corona mal dazu nachzuholen, was in D generell fehlt“:

  • Homeoffice als Teil der Arbeitskultur
  • Ausbau Digitale (Netz-) Infrastruktur
  • Mentalität nicht krank zu arbeiten
  • Regelmäßig Hände waschen
  • Schulen mit IT ausstatten
  • Pflegekräfte besser bezahlen”

Helge Denker, Berlin ( www.helgedenker.de )