Nach Corona werden diese 5 Dinge normal sein – zum Glück!

Jeder Berufstätige kennt es aus seinem sozialen Netzwerk: es gibt immer noch die ultracoolen megaerfolgreichen Berater, Manager oder Selbstständigen, die ihre „community“ auf Facebook oder Linkedin darauf aufmerksam machen, dass sie schon wieder beruflich „in den Flieger müssen“ oder „sich in der 1.Klasse der Bahn“ über die Verspätung ärgern. Arme Tropfe, denn nach Corona wird sich jedes Unternehmen und jeder Kunde fragen, ob eine Videokonferenz für ein Bruchteil des Geldes nicht mindestens so effektiv ist wie das prestigeträchtigere Herumgefliege.

Geschäftsreisen wurden bereits seit einem Jahr aus Umweltgründen reduziert, dies wird sich jetzt deutlich verschärfen, denn es geht ganz oft ohne.


Es war in Vor-Corona-Zeiten in vielen Unternehmen eine Statusfrage, wer wieviel von zuhause arbeiten darf. Homeoffice wird nicht der neue Standard sein, aber es ist meist nicht mehr nötig, es ausdrücklich einzufordern: die Krise zeigt, dass viele Arbeitsprozesse aus den eigenen vier Wänden zu managen sind. Der Bedarf an Büroflächen wird sinken und die vorhandenen werden deutlich besser und angenehmer gestaltet werden für die Mitarbeiter, die sporadisch oder einige Tage in der Woche in einem Büro arbeiten wollen oder müssen.

Das Homeoffice verliert endgültig jede exotische Anmutung. Wenn die Arbeitsprozesse es zulassen – wer mag, kann zuhause arbeiten.


Deutschland hat diese Krise zusammen durchgestanden, Frauen und Männer – wobei es ohne Heerscharen sich selbst gefährdener Supermarkt-Mitarbeiterinnen schon seit Tagen gar nichts mehr zu kaufen gegeben hätte. Das eine Supermarkt-Kassiererin mit kaputtem Rücken auf die Altersarmut zusteuert muss kann nicht länger sein. Womit man beim „medizinischen Pflegepersonal“ ist, dass zum Teil zu abenteuerlich niedrigen Löhnen körperlich und mental Schwerstarbeit verrichtet. Möchte jemand in einer Intensiv-Station liegend auf diese Helferinnen und Helfer verzichten? Auch diese Jobs müssen vernünftig bezahlt werden.

Viele Hundertausend Menschen, nicht nur Supermarkt-Kassiererinnen, sorgen dafür, dass Lebensmittel in den Kühlschrank kommen und Pflegerinnen und Pfleger dafür, dass die Sterberate niedrig bleibt – nur müssen deren Löhne und Renten in Zukunft stimmen.


Die „Digitalisierung“ in Deutschland war hinter vielen anderen Ländern zurück – siehe im Detail hier. Nicht nur die Schulen haben nach holprigem Anlauf in der Pandemiezeit um Lichtjahre aufgeholt, was das Arbeiten mit digitalen Tools angeht. Auch Rentnerinnen und Rentner „skypen“ auf einmal und bislang privat selten eingesetzte Tools wie „teamviewer“ sind gefragt, denn so kann der Enkel dem Großvater das neue whatsapp auf dessen Rechner installieren. Nun muß der finanzielle Kraftakt folgen, deutschlandweit maximale Internetgeschwindigkeit zu schaffen. Und wir müssen endlich anfangen, den Monopolisten Google, Microsoft, Facebook, Ebay und amazon etwas entgegenzusetzen. Dies wird nur auf europäischer Ebene gelingen können, aber ein Weg führt daran nicht vorbei.

Deutschland hat ein Quantensprung gemacht in Sachen Digitalisierung – jetzt bloß nicht nach 3/4 der Wegstrecke stehen bleiben. Auch auf EU-Ebene nicht.


Fast eingesperrt in eine kleine Mietwohnung – ohne Zweifel war und ist die Zeit für viele Familien eine schwere Belastungsprobe. Fälle häuslicher Gewalt habe fast überall zugenommen, dies ist ohne Zweifel eine der ganz düsteren Seiten der Ausgangsbeschränkungen. Aber es gibt auch eine andere: noch nie waren sonst so überaus beschäftigte Väter und Mütter zu sehen, die mit ihren Töchtern und Söhnen Fußball, Federball oder Tischtennis spielen oder einfach Rad fahren. In Familienaktionen wurden viele Tausend Keller aufgeräumt und Flure neu gestrichen. Die Paare und Familien, die gut durch die Zeit kommen, haben viel zusammen erlebt und sind ein Stück weiter zusammengewachsen.

Das unfreiwillige Beschränken auf die kleinsten sozialen Gruppen – Paare und Familien – hat viele, auch häßliche Konflikte ausgelöst. Aber auch Hundertausenden von Paaren und Familien gezeigt, dass man zusammen alles durchstehen kann, selbst eine Corona-Pandemie mit Ausgangsbeschränkungen.

Die Corona-Zeit wird vorbeigehen, auch wenn das wirtschaftliche Tal noch tief werden kann. Nicht alles an den harten Lektionen und Erkenntnissen sollte nach Ende der Krise über Bord geworfen werden.


Wolfgang Zehrt, Berlin