Keine Dürre – USA erwartet die „Mega-Dürre“

(ddna). Nicht nur für den faktenfernen US-Präsidenten dürfte diese  News zuviel gewesen sein: Mitten im Kampf gegen die Covid-19-Erkrankungen zeichnet sich für den Westen der USA eine weitere Katastrophe ab. Nicht einfach eine Dürre, sondern eine „Mega-Dürre“, die vermutlich schlimmste seit 500 Jahren. Das Wort „Mega-Dürre“ entstammt nicht einem Hollywood-Drehbuch, dieses Prädikat wird nach wissenschaftlichen Kriterien vergeben.


Wir haben jetzt genug Beobachtungen der aktuellen Dürre und Aufzeichnungen von Baumringen vergangener Dürren, um zu sagen, dass wir uns auf der gleichen Bahn wie die schlimmsten prähistorischen Dürren bewegen„, sagt Park Williams von der Columbia University New York, der die jahrelange und umfangreiche Studie leitet, die in dieser Woche vorgestellt wurde. Es sei die erste dieser geschichtlich so selten katastrophalen Dürren, die massiv durch den menschengemachten Klimawandel beeinflusst wird. Nicht alleine ausgelöst durch den Klimawandel, aber verstärkt.


Viele Dürren, kaum Mega-Dürren

Die Experten im Team von Park Williams hatten herausgefunden, dass es im Zeitraum von 800-2018 im Westen der USA etwa länger anhaltende 40 Dürren gegeben hat, von diesen erfüllen nur vier die Kriterien für eine Megadürre. Diese fanden unter anderem Ende 800, um 1.200 und am Ende des 15.Jahrhunderts statt – und offenbar jetzt. Die Dürren der letzten Jahrhunderte konnten die Wissenschaftler inzwischen sehr präzise beschreiben. Grundlage dafür sind die Jahresringe von Bäumen, die Aufschluß über die Bodenfeuchtigkeit der damaligen Epoche geben.  Aber auch die Untersuchung ehemaligen Siedlungen und Äcker lassen Rückschlüsse darauf zu, ob die Vorfahren mit „normalen“ Dürren oder den sehr seltenen  Mega-Dürren zu kämpfen hatten.


Nicht alleine der Klimawandel

Die Schwere der gegenwärtigen Megadürre ist nach der letzten extremen Trockenperiode zum Ende des 15.Jahrundert die zweitschlimmste, sagen die Forscher dieser Universität in Williams. Ohne Zweifel sei die derzeitige Dürre-Situation ein Naturereignis, das aber durch den Klimawandel noch viel schlimmer wird. Das Schlüsselereignis ist ihrer Überzeugung nach das Wetterphänomen El Niño/La Niña gewesen. „Wir wissen aus vielen Untersuchungen, dass, wenn man im tropischen Pazifik Bedingungen vom Typ La Niña hat, der Südwesten der USA und der Norden Mexikos trocken werden. Und genau das haben wir in den letzten zwei Jahrzehnten gesehen„, so Dr. Williams.


Wasserproblem im Nordwesten der USA wird immer größer

Mit Corona hat die extreme Trockenheit allerdings eine Gemeinsamkeit. Nicht alle Wissenschaftler sind sich einig, wie groß die Bedrohung nun wirklich ist. Zudem gibt es mehrere seriöse Definitionen, was eine Dürre von einer Mega-Dürre unterscheidet. Aber selbst diejenigen, die der Studie der Columbia University Williams skeptisch gegenüber stehen räumen ein, dass es in der Region eine immer schlimmere Wasserknappheit gibt und sich diese in Zukunft wahrscheinlich noch verschärfen wird. Unabhängig davon, ob der Westen der USA eine Schwelle zu einem Ereignis überschritten hat, das eine bestimmte Bezeichnung trägt oder nicht, ist in diesem Jahrhundert klar geworden, dass Wasser im Westen der USA eine lebenswichtige Ressource ist, und zwar eine prekäre, weil es in der Region lange Zeiträume mit wenig Niederschlag geben kann“, sagt Dr. Angeline Pendergrass, eine Wissenschaftlerin des US-amerikanischen National Center for Atmospheric Research (NCAR). Und es sieht so aus, als ob der Klimawandel es nicht besser machen wird – er wird es wahrscheinlich sogar noch schlechter machen„.


Dürre – das Thema in den USA ist auch ein Thema in Deutschland

Ob Dürre, Mega-Dürre oder extreme Trockenheit – nicht nur der Westen der USA wird sich mit diesem Thema intensiv auseinandersetzen müssen: Schon jetzt, im April, gilt in zahlreichen ostdeutschen Regionen die höchste Waldbrandstufe. An vielen Stellen muss bereits mindenstens 1,80m tief geraben werden, um auf Feuchtigkeit zustoßen. Auf der Dürre-Karte des Dürremonitors des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig sind viele Regionen nach wie vor dunkelrot eingefärbt, es herrscht weiterhin die höchste aller fünf Trockenstufen.



Seit 2018 herrscht in den tiefrot gekennzeichneten Regionen Dürre, aktuell ist auch keine Besserung in Sicht. Es wäre das dritte extreme Trockenjahr in Folge mit unabsehbaren Folgen für Natur und Landwirtschaft.


Wolfgang Zehrt, Berlin