amazon – Chef Jeff Bezos hat wieder das Steuer übernommen

(ddna) Ende Februar waren Jeff Bezos, der Vorstandsvorsitzende von Amazonas, und seine Freundin Lauren Sanchez noch in Frankreich, um mit Präsident Emmanuel Macron im Élysée-Palast über den Klimawandel zu diskutieren und mit der Designerin Diane von Furstenberg auf dem Eiffelturm zu feiern. Tage später entdeckten die Paparazzi das Paar beim Abendessen bei „Carbone“ im New Yorker Greenwich Village. Kein Fastfood-Halle, aber immerhin soll die Rechnung für die zwei nicht mehr als 300 Dollar betragen haben. Es war das letzte Luxus-Restaurant für längere Zeit.

 


Ranch statt Luxus-Restaurant

Ende März hatte sich Jeff Bezos auf seine Ranch in Westtexas zurückgezogen und konzentriert sich seitdem auf größere Zahlen, auf amazon, bis ins Detail. Währendessen hat sich die Coronavirus-Pandemie in den Vereinigten Staaten ausbreitetet und die Arbeitslosenzahlen explodieren, auf 26 Millionen mit dem Stand von heute. Millionen Amerikaner haben die Angst, aus ihren Wohneungen zu fliegen, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen können. Verglichen mit dem deutschen Mietrecht ist das in den USA ein Alptraum.


Krisen sind für Bezos zum Managen da

Nachdem Jeff Bezos jahrelang fast ausschließlich an langfristigen Projekten gearbeitet und das tägliche Management seinen Stellvertretern übertragen hatte, steht der 56jährige nun wieder auf der Kommandobrücke und muss an ziemlich vielen Schaltern und Hebeln gleichzeitig ziehen: der riesige Einzelhändler hat mit einer noch nie vorstellbaren Nachfrage nach Produkten, mit Arbeitsunruhen, massiver öffentlicher Kritik  und teilweise wegbrechenden Lieferketten zu kämpfen.


Wenn der reichste Mann der Welt anruft

Täglich ruft er Dutzende von Mitarbeitern an, um Entscheidungen über Lagerbestände und Produkttests Tests zu treffen und wie und wann – auf die Minute genau – Amazon auf die öffentliche Kritik reagiert. Er hat mit Regierungsvertretern gesprochen. Und im April stattete er zum ersten Mal seit Jahren einem der Lagerhäuser Amazoniens einen öffentlich angekündigten Besuch ab. „Im Moment konzentriert sich meine eigene Zeit und mein Denken weiterhin auf Covid-19 und darauf, wie Amazon helfen kann, während wir mittendrin sind“, schrieb Bezos letzte Woche an die Aktionäre.


amazon – Fussvolk kann Milliardär etwas bewegen

Bezos‘ täglicher Einsatz hat noch nicht zu einem völlig reibungslosen Ablauf geführt. Zahlreiche Lagerarbeiter haben in  „Business Insider“ erklärt, dass sie mit der Lohnfortzahlungspolitik und den Sicherheitsmaßnahmen des Unternehmens unzufrieden sind und sich nicht ausreichend geschützt fühlen. Amazon sieht sich auch mit zahlreichen Anfragen von Arbeitsaufsichtsbehörden konfrontiert, ob es unrechtmäßige Vergeltungsmaßnahmen gegen Beschäftigte ergriffen hat, die sich zu mangelnden Coronavirus-Schutznaßnahmen geäußert haben. Es sollen Mitarbeiter entlassen worden sein, die dies getan haben. Jeff Bezos versucht der Kritik zu begegnen, indem Amazon den Mindestlohn und das Gehalt für Überstunden anhob und ein eigenes Labor baute, um Mitarbeiter an vorderster Front auf das Virus zu testen.


Corona ist kein Grund für Fehler

Amazon hatte Mühe, schnell auf die wachsende Zahl von Coronavirus-Fällen in seiner Belegschaft zu reagieren, und wurde mit Bestellungen von Verbrauchern überschwemmt. Aber Amazon ist eines der wenigen Unternehmen, die finanziell von der Krise profitiert haben. Aufgrund der großen Kundennachfrage haben die Aktien des Unternehmens Rekordhochs erreicht. Das hat Jeff, den reichsten Mann der Welt, seit Anfang März noch einmal um 25 Milliarden Dollar reicher gemacht. Geld ist schon lange keine Motivation mehr für ihn. Es ist sein bekannter und intern oft gefürchteter glühender Ehrgeiz, seine ständige Suche nach Lösungen, die noch perfekter als perfekt sind. Ein Jeff Bezos verzeiht seinem eigenen Unternehmen auch in den Zeiten einer globalen Krise keine Fehler. Und sei es, das er persönlich sie beseitigen muss.


Wolfgang Zehrt, Berlin