Unerwarteter Sieger beim Online-Banking

(ddna) Gegenwärtig stellen viele Verbraucher ihre Bankverbindungen, Broker und Online-Banken auf den Prüfstand, denken über Alternativen oder einen zusätzlichen Ausweich-Geldpartner nach weil …

  • in Corona-Zeiten mehr als Online-Banking ohnehin nicht ging
  • es bei der Hausbank digital nicht so reibungslos funktioniert(e)
  • man Zeit hat die Bankgebühren zu prüfen

Redaktionelle Unabhängigkeit ist bei Tests selten

Geht man dann im Web auf die Suche muss eines klar sein: Tests von Online-Banken sind fast immer von mehr oder weniger sichtbaren Werbepartnern der Portale und Medien beeinflusst. Selbst auf seriösen Medienseiten werden solche Vergleichstests teilweise von Marketingunternehmen betrieben und die Redaktion hat nichts mit dem Inhalt zu tun. Das fällt nur auf, wenn man sehr genau hinschaut. Komplette inhaltliche Bereiche wie „Finanzen“ oder „Verbraucher-Tipps“ werden oft nur scheinbar von Portal selbst betrieben. Oft hat die Redaktion keinerlei Einfluß auf die Inhalte dort.


Guter Ruf der Redaktion wird für Werbung ausgenutzt

Die Seiten liegen nicht einmal auf dem Server des Magazins oder des News-Portals, sondern auf dem Server eines Werbeunternehmens. Selbst wenn die Redaktion an einem Inhalt etwas ändern wollen würde, ginge das gar nicht so einfach. Für Medienunternehmen sind solche Deals extrem lukrativ, denn nicht erkennbare Werbung ist die beste Werbung. Vor allem, wenn sie dem Anschein nach von einer vertrauenswürdigen Redaktion stammt.


Wir haben die Tests gründlich getestet und dann gewertet

Was machen wir bei unserer Übersicht über Online-Banken anders? Unsere Redaktion hat in den vergangenen Tagen rund zwei Dutzend Tests und Berichte über Online-Banken „auseinandergenommen“ und aus allen Ergebnissen die besten 4 Angebote herausgefiltert. Ganz klar: auch wir können nicht ausschließen, dass wir einen oder zwei Tests aufgesessen sind, bei dem das „neutrale“ Ergebnis des Best- oder Zweitplatzierten von einer Werbeagentur vorgegeben worden war. Deswegen haben wir die Testergebnisse, bei denen wir 100% sicher sind, dass sie nicht von einem Werbekunden beeinflusst wurden, doppelt gewichtet. Deswegen beschränken wir uns auch auf die ersten vier Plätze, denn hier sind die Ergebnisse über alle Tests ud Beurteilungen weg recht eindeutig ausgefallen.


Verdienen wir etwas an den Testergebnissen?

Ja und nein. Aus unserer Sicht gibt es einen klaren Sieger und nur dem haben wir einen sogenannten „affiliate link“ gesetzt: werden Sie dort Kunde, bekommen wir eine Provision von mehreren Euro. Weil uns diese Bank am meisten überzeugt hat. Zu allen anderen, durchaus auch guten Anbietern, finden Sie einfach nur einen ganz normalen Link zur deren Website. Was wir nicht machen: keine Bank könnte uns dafür bezahlen, dass wir die „X-Bank“ unauffällig auf einem vorderen Platz unseres Rankings platzieren. Machen wir einfach nicht, Punkt. Manchmal würden wir schon gerne schreiben, welche großen Portale dafür viele Zehntausend Euro im Monat bekommen. Machen wir auch nicht, wir petzen nicht.


Wichtige Frage zu Beginn: reicht mir eine Online-Bank überhaupt?

Kann ich mit einer reinen Online- oder Direktbank überhaupt leben? Sicher nicht, wenn Sie abundzu das persönliche Gespräch mit einer Beraterin oder einem Berater suchen. Corona geht irgendwann zuende und wenn Sie kompliziertere Bankgeschäfte haben oder einfach einen vertraulichen persönlichen Rat möchten, werden sich die Berater auf Sie freuen, denn auch die machen ihren Job, weil sie den persönlichen Kontakt zum Kunden möchten. Ein Nachteil von reinen Online-Banken ist zum Beispiel für Kiosk- und Gebrauchtwagenhändler wichtig: denn das sind zwei Berufsgruppen, die darauf angewiesen sind, rund um die Uhr Bargeld sicher deponieren zu können. Einige Direktbanken bieten das zwar in Kooperationen mit traditionellen Filialbanken an, aber das ist nicht die Regel.


Nach einem „TÜV“ für die Tests haben wir das Ranking gebaut

Ungefiltert sind Testergebnisse ungenießbar.

Aus insgesamt 25 Berichten und Tests haben wir vier Online-Banken herausgefiltert, die aus all diesen Berichten als Top-Platzierte hervorgehen. Das wir zum Beispiel sehr bewusst die „Bankenvergleiche“ einer großen südddeutschen Zeitung nicht berücksichtigt haben lassen wir unkommentiert, dies hat definitiv handfeste Gründe, siehe weiter oben.


Die drei Erstplatzierten sind unserer Überzeugung nach die derzeit mit Abstand besten Angebote fürs Online-Banking. Der Wettbewerb ist so enorm, dass jeder der Anbieter einen neuen guten Service des Konkurrenten sofort auch bei sich einführt. Was gut für die Kunden ist, so hat man wirklich drei Topangebote zur Auswahl. Und die drei Erstplatzierten beim Online-Banking-Test machen deutlich, dass gerade die Mischung aus jahrzehntelanger Bankerfahrung und erstklassigem digitalen Knowhow ein Paradebeispiel erfolgreicher Digitalisierung sein kann. Denn coole Newcomer sind die drei Gewinner wirklich nicht (warum N26 nicht auf dem Siegerpodest steht schreiben wir ganz unten).


Unsere klaren Online-Banking-Gewinner aus 25 seriösen Tests:

1. Deutsche Kreditbank AG (DKB)

Der Wermutstropfen zuerst: diese Bank will Schufa- und Einkommens-Status vor der Kontoeröffnung wissen, daran führt kein Weg vorbei. Dann aber gibt es ein Konto mit vielen kostenlosen Features, einer kostenlosen VISA-Karte und kostenlosem Geld abheben an sehr vielen Geldautomaten, auch im Ausland. Dafür sollte man dann nicht die Girocard nutzen, denn damit muß im Gegensatz zur Visa fast an jeder cash machine gezahlt werden.


Wer darüber hinaus Geld braucht, kann ein privates Darlehen zu normalerweise sehr guten Konditionen bekommen. Wer über sein Budget gelebt hat und keinen Kredit möchte bezahlt Dispozinsen von rund 7%, auch das ist ein sehr guter Vergleichswert (Achtung: solche Angaben können sich natürlich ständig ändern).Im glaubwürdigen Vergleich des „Handelsblatt“ aus dem vergangenem Jahr „Wo Kunden das beste Konto finden“ gewann die DKB Titel „Bestes Girokonto 2019“. Getestet wurden insgesamt 34 Banken.


Aber trotz des altertümlichen Namens scheint die DKB auch bei den U30 gut anzukommen, schreibt „business insider“: „Als Studentin bin ich sehr dankbar über ein Bank, die mir Flexibilität und Einfachheit bietet. Sodass ich von überall weltweit kostenlos mit der Visa bezahlen kann. Außerdem spielt Digitalisierung für mich eine wichtige Rolle. Das Online-Banking über die DKB-Banking-App und die Nutzung von Face-ID fürs Login erleichtern mir wirklich das Leben — in zwei Sekunden habe ich mein Konto im Blick — wo auch immer ich gerade bin“. 

sponsored link: Wenn Sie mehr über die DKB wissen wollen.

2. Consorsbank

Ein Oldtimer! 1994 gegründet, als das Internet gerade dabei war, die privaten Nutzer zu erobern. Gehört zur drittgrössten Bank Frankreichs und unterliegt deswegen strengen gesetzlichen Vorschriften, die Einlagen dürfen getrost als sehr sicher bezeichnet werden. Auch hier bietet die zum Konto gehörende Visa-Karte kostenloses Geld abheben in Deutschland und in der Euro-Zone. Ein Unterschied: die Ausgaben mit der Visa-Card werden ziemlich schnell vom Konto abgebucht, nicht erst wie bei anderen Anbietern am Ende des Monats.


Diese spezielle Art der Kreditkarte (Debit-Karte) wird manchmal nicht akzeptiert, z.B. bei Hotels. Dafür können Sie auf Ihr Konto bei Consors auch Geld einzahlen und zwar bei den Filialen der Reisebank.

Wenn Sie mehr über Consors wissen wollen.

3. Norisbank

Die Norisbank bietet allen Privatkunden ein bedingungslos kostenloses Girokonto an, sogar ohne Geldeingang. Kartenzahlungen und Überweisungen, weltweit Bargeld und auch eine Kreditkarte erhält man gebührenfrei inklusive. Warum auch immer: diese Tocherbank der Deutschen Bank hat bietet keinen Kredit für Selbständige und Freiberufler an.


Vielleicht ein kleiner Ausgleich, wenn mann seine Zahlen schwarz-auf-weiß sehen möchte, ganz altmodisch:  Kontoauszüge können an den Terminals der Deutschen Bank kostenlos ausgedruckt werden. Und, wenn zuhause der Sparstrumpf platzt: an den Geldautomaten der Deutschen Bank kann Geld eingezahlt werden. Fürs nächste Quiz: die Noris-Bank wurde sogar schon in den 50ern gegründet, von einem längst verblichenen Versandhaus, als „Einkaufshilfe mit Ratenkrediten“. War damals was Neues.

 Wenn Sie mehr über die Noris-Bank wissen wollen.


4. comdirekt

Eine negative Eigenschaft zuerst: kostenloses Bargeld gibt es mit der Girocard nur an den 9.000 Automaten des Bankenverbundes „cash group“, aber nicht an den 43.000 weiteren. Wer als oft und überall Bargeld abholen will sollte dies berücksichtigen. Das Konto aber ist kostenlos und auch Mindesteingänge werden dafür nicht erwartet. Allerdings nicht bei einem häßlichen Schufa-Eintrag, dann geht bei dieser Tochter der Commerzbank  nichts.


Kleines Bonbon: zum Start ein 25 € Bonus für Google Pay und Apple Pay.Mit dem eingeschränkten kostenlosem Bargegeld-Zugang landet comdirect allerdings nur noch sehr knapp unter den besten Vier. Wie die Norisbank setzt auch die comdirect auf photoTan-Verfahren.

 Wenn Sie mehr über comdirect wissen wollen.


Warum nicht N26?

Alles „ohne Bullshit“, also alles ganz einfach, übersichtlich und transparent, so war die „völlig neue Bank“ angetreten. Davon, so schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung, ist nicht viel übrig geblieben:

Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 2.März 2020:

 „Laut der ab 10. Mai für deutsche Kunden geltenden neuen Preisliste von N26 reduziert sich die Zahl der kostenlosen Bargeldabhebungen an Geldautomaten für Nutzer unter 26 Jahren von fünf auf drei je Monat, sofern die Bankverbindung bei N26 nicht als Hauptkonto genutzt wird. Zusätzliche Barabhebungen kosten dann jeweils 2 Euro.

Fragwürdiger Claim

Das klingt ganz schön kompliziert – dabei sollte das Banking bei N26 doch so klar und einfach werden wie möglich, ganz „ohne Bullshit“. Und nicht nur an dieser Stelle liest sich die Preisliste des Fintech mittlerweile so sperrig wie die einer Sparkasse oder Volksbank. Deutlich teurer werden soll auch die Bestellung von Ersatzkarten sowie der Expressversand derselben für besonders eilige Kunden. Zudem wird der Freibetrag für Bareinzahlungen gestrichen. Vergünstigungen gibt es dagegen für Nutzer mit einem gebührenpflichtigen Konto-Modell.

 Das ist legitim, schließlich müssen auch Jungbanken Geld verdienen. Der Claim des kostenlosen Girokontos wird so aber immer fragwürdiger – genau wie bei den Altbanken.“

 

Ein weiterer Grund, die N26 hier nicht unter den Topangeboten zu berücksichtigen: der Rückzug von der sehr groß angekündigten Expansion nach Großbritanien mag mit Hinweis auf Brexit und Konkurrenz noch durchgehen – obwohl die denkbaren Auswirkungen des Brexit auch schon ein paar Jahre vorher bekannt waren.


Aber auch die deutsche Bundesanstalt für Finanzaufsicht zeigte sich noch im vergangen Jahr nicht immer glücklich mit dem Newcomer-Geldinstitut:

  • N26 muss die Transaktionen der Kunden besser überwachen.
  • Die BaFin fordert dass die Pflichten gegen Geldwäsche eingehalten werden.

Ein wesentlicher Grund kommt dazu: die Gründer der N26 wollen auf jeden Fall so schnell wie möglich expandieren, sehen sich schon jetzt als „global player“ und setzen auf einen zügigen Börsengang, um Kasse zu machen. Das ist unternehmerisch verständlich und legitim, aber bringt für Kunden eines Geldinstitutes eher Unsicherheiten und ständige Veränderungen mit sich. Wer damit leben kann, ist Dank einer hervorragenden Technologie bei N26 sicher gut aufgehoben.


Wolfgang Zehrt, Berlin