Nie waren Sommerferien wichtiger: Experten halten Kinder für grösste Opfer der Corona-Pandemie

(ddna) Für Kinder hörte mit dem Lockdown alles auf: Kita und Schule, Sportverein und Kino, Freunde treffen, Großeltern besuchen… Bis zu den Sommerferien fiel und fällt auch jeder vernünftige Schulunterricht aus, auch wenn das improvisierte digitale Lernen ist sicher besser als nichts. Neben der Angst um den eigenen Arbeitsplatz oder den eigenen Laden wurde während der schlimmszten Phase der Pandemie die Sorge um den Nachwuchs immer größer, schreibt Wolfgang Zehrt in „Deutschland im Ausnahmezustand – die Corona-Chronik„, die bis Ende Mai reicht:

„Für Familien ein Kraftakt, für Alleinerziehende eigentlich unmöglich: Seit Wochen sind Schulen und Kitas weitgehend geschlossen, die jetzt angelaufenen Betreuungs- und Unterrichtszeiten sind in den meisten Regionen ein Tropfen auf dem heißen Stein. Dies ist laut ARD-Deutschland-Trend die größte Sorge der Bundesbürger: 63 Prozent haben sehr große oder große Sorge, dass Kinder wegen eingeschränkter Betreuungs- und Schulangebote in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden“.

Ende Mai 2020 findet Schule weiterhin nur in Bruchstücken statt, immerhin soll es nach den Sommerferien in allen Bundesländern normal weitergehen – mit den Abstandsregeln von heute ist dann Schluß. Ob es dadurch zu neuen Infektionen kommen wird können auch Experten nicht sagen.

 

Noch viel gravierender, so zitiert Wolfgang Zehrt in „Deutschland im Ausnahmezustand – Die Corona-Chronik“ Experten, hat es Kinder in Familien getroffen, in denen es auch vor Corona schon gewalttätig zuging:

„Langsam beginnt eine Diskussion darüber, was die schwersten Wochen der Corona-Krise bei Kindern und Jugendlichen angerichtet haben. Durch die fehlende Beobachtung vor allem ohnehin schon gefährdeter Kinder in Kitas und Schulen befürchten Experten eine starke Zunahme an Missbrauchs- und Misshandlungsfällen. Bei der zentralen Kinderschutzhotline des Gesundheitsministeriums hat die Zahl der Hilfeanrufe in der Corona-Krise stark zugenommen. Teamleiter und Kinderarzt Oliver Berthold in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“: „Wir werden teilweise wegen Verletzungen kontaktiert, die sonst nur bei Zusammenstößen mit Autos auftreten. Da geht es um Knochenbrüche oder Schütteltraumata.“ Betroffen seien besonders Kleinstkinder, die noch nicht selbst laufen können. „Da liegt der Verdacht nahe, dass den Kindern massive Gewalt zugefügt wurde.“

In dem Buch, dass in dem politischen Streit über Maßnahmen und Regelungen, Masken oder keine Masken ausdrücklich neutral bleibt, geht es um alle wichtigen Ereignisse seit Dezember 2019. Gast-Autoren, die auch für Handelsblatt oder Süddeutsche schreiben, berichten über die Audwirkungen auf die Wirtschaft und das Entstehen von Verschörungstheorien rund um die Corona-Pandemie.

Mit mehr als 70 farbigen Bildern und zahlreichen Grafiken unterstreicht das Buch sein Ziel: sachlich und mit vielen Fakten informieren, ohne sich in die heftigen Diskussionen rund um das Thema einzuschalten. Wer das Buch liest kann sich fundiert seine eigene Meinung bilden. Der Lockdown war für Kinder keine schöne Ferienzeit, was mancher Erwachsener vielleicht denken könnte. Sommerferien sind jetzt richtig wichtig, auch die am Baggersee oder im Garten.

 

Matthias Nemack