Google Pay dreht jetzt richtig auf – mit virtuellen Konten und Shopping

Ab dem nächsten Jahr lagern weitere US-Banken ihr Online-Banking komplett an den einstigen Suchmaschinenriesen aus: zu den Anfang dieser Woche bekanntgegeben neuen Partnern gehören die Bank Mobile, BBVA USA, BMO Harris, Coastal Community Bank, First Independence Bank und die SEFCU. Das sind nicht gerade die in Europa bekanntesten US-Banken, aber selbst Google nähert sich dem nächsten globalen Riesenmarkt, dem internationalen Finanz-, Konto- und Kreditmärkten lieber vorsichtig. Citi und SFCU sind schon länger an Bord der Kooperation, so dass ab 2021 vermutlich acht Banken digitale Giro- und Sparkonten anbieten werden – komplett über Google, ohne noch eine eigene Infrastruktur dafür zu betreiben. Die Konten sollen ausschließlich mit der Google Pay-App verwaltet werden.

Google Pay is now available for 25 new banks in 14 countries

Vom Abruf des Kontostands über die Bezahlung bis zu allen weiteren Services im Onlinebanking: die Banken spielen lediglich als Partner mit, die das Geld verwalten und den Geldfluss organisieren. Man könnte auch einfach sagen, dass das Onlinebanking zu Google Pay ausgelagert werden soll.

Das Wall Street Journal berichtete erstmals im November vergangenen Jahres über Googles großen Schritt in das Bank- und Finanzwesen, ein Projekt mit dem Arbeitstitel  „Project Cache“ bekanntes Projekt. Ähnlich wie bei den mobilen Bankdienstleistungen, die heute von einer Reihe von Startups angeboten werden, wird Google das verbraucherseitige Front-End für die von ihm zur Verfügung gestellten digitalen Bankdienstleistungen bereitstellen, während die Konten selbst von Partnerinstitutionen geführt werden.

Im Gegensatz zu Start-ups im Bereich Mobile Banking, die ihre Bankpartner nur im Kleingedruckten vermerken, bietet Google den Banken jedoch ein wirkliches Co-Branding. Dies wird sicher auch für die Deutsche Bank gelten, die Anfang Juli eine internationale und groß angelegte Partnerschaft verkündet hatte.

Diese Partnerschaft ist bedeutsam, weil sie der Deutschen Bank Zugang zu erstklassigen Cloud-Dienstleistungen sichert. Vielmehr können die beiden Unternehmen künftig auch gemeinsam Innovationen vorantreiben, um die nächste Generation technologiebasierter Finanzprodukte für Kunden zu entwickeln. Ob die in diesem Maßstab kleine Deutsche Bank oder der US-Gigant mehr von der Zusammenarbeit profitieren werden ist offen.

In den USA sollen noch viele weitere Banken dazukommen. Das den Kunden von Google herausragend gute Budgetplanungs-Tools, perfekte Abrechnungstools etc. angeboten werden braucht kaum bezweifelt werden – aber wozu das Ganze, dieser Milliardenaufwand? Die Pläne von Google sind umfangreicher.

Google arbeitet mit Hochdruck an einer Generalüberholung seiner Google Pay App und möchte noch in diesem Jahr ersten Online-Händlern die Möglichkeit geben, gebrandete Bereiche innerhalb der US-Version der App einzurichten. Ein One-Stop-Portal für den Handel. Nach dem offiziell nicht bestätigten Plan von Google werden die Nutzer auf den Markenbutton eines Händlers in Google Pay klicken können, so dass sie Bestellungen aufgeben und für Dienstleistungen dieses Händlers bezahlen können, ohne die App zu verlassen.

Die BBVA-Bank hat sich seit Jahrzehnten darauf konzentriert, wie sie die Finanzindustrie mit Hilfe der Digitaltechnik voranbringen und so mehr und bessere Möglichkeiten für die Kunden schaffen kann, ihre finanziellen Angelegenheiten zu verwalten„, sagte Javier Rodriguez Soler, Präsident und CEO der BBVA USA zu der heute verkündeten Partberschaft mit Google, „die Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Google stellt die Zukunft des Bankwesens dar„. Diese Zukunft des Bankwesens kann auch das Ende der klassischen Banken sein.

Wolfgang Zehrt, Berlin