Kommende Ski-Saison: „Après-Ski“ ade – rettet Corona den Skiurlaub?

(ddna). Noch gibt es freie Zimmer in den Skihochburgen der Alpen, selbst um Weihnachten und Sylvester.Oft um bis zu 20% ermässigt und mit der Garantie, auch noch kurz vor Urlaubsbeginn stornieren zu können. Eigentlich ist im September kaum noch ein Skihotel zu bekommen. Aber Gastwirte, Liftbetreiber, Hoteliers sind wie ihre potentiellen Gäste verunsichert – wird eine halbwegs „normale“ Skisaison überhaupt möglich sein? Zum Glück nicht.


Für die nur bis zum Mittag brettelfahrenden Vielbierschlucker wird die Skisaison 2020/2021 ein Alptraum werden, denn das als „Après-Ski“ bezeichnete Komatrinken und Bussi-Champagnern ist Vergangenheit. Was Skifahrerinnen und Skifahrer freuen wird.

Das wird zwar für die Tresenhallen in Ischgl und Sölden ein wirtschaftlicher Einschnitt, gewinnen wird neben Skifahrern die Umwelt, meint Peter Schöffel, Chef des gleichnamigen Bekleidungs-herstellers und Dauer-Skifahrer: „Weil Fernreisen derzeit eher kein Thema sind, werden die Alpen vielleicht eine noch gewichtigere Alternative für den Urlaub als vor Corona“, sagt Schöffel. Und: „Wintersportorte, die auf Familien, naturnahen Tourismus und sportliche Aktivitäten setzen, haben sicher bessere Aussichten als solche mit Schwerpunkt Après-Ski und Partymeile.Keine hämmernde Ötzi-Musik mehr bis hoch zum Gipfel – wer sagt denn, dass der Virus nur schlechte Seiten hat?


Ski-Fahren statt Bierkrüge stemmen

Après-Ski in der gewohnten Form wird es nicht geben„, bestätigt heute auch der österreichische Bundesskanzler Sebastian Kurz, aber ansonsten müsse es schon weitgehend normal zugehen und verweist auf die Milliardenumsätze der österreichischen Winterurlaubsindustrie. Dem tragen viele Skigebiete bereits Rechnung und haben umfangreiche Anti-Virus-Maßnahmen vorgestellt. Da die Bergbahnen in Österreich zum öffentlichen Verkehr gehören, muss auch in allen Gondel- und Sesselbahnen ohnehin ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Bei einer 2er Besetzung gilt das ebenfalls in Schleppliften. Auch beim unumgänglichen Warten am Lift müssen Mund und Nase bedeckt sein. Da die Gondeln gut durchlüftet werden und die Fahrtzeit der Bahnen unter 15 Minuten liegt, werden die Gondeln und Sesseln in einigen Gebieten zumindest versuchsweise vollständig besetzt werden. Alle Gondeln werden täglich mit speziellen Kaltvernebelungsgeräten desinfiziert. Empfohlen wird allen Gästen auch, sich die Corona-App des österreichischen Roten Kreuzes herunterzuladen.


Ischgl hat aus den Ereignissen im letzten Winter gelernt und ein Sicherheitskonzept erstellt, das über die behördlichen Vorgaben hinaus geht. Das Maßnahmenpaket umfasst unter anderem gratis Multifunktionstücher zu jedem Skipass, eine eigene Contact-Tracing-App, Screenings für Gäste und Mitarbeiter sowie tiefgreifende Einschnitte in die „Après Ski-Szene“. Mitarbeiter an Liften, in Hotels und an Bergbahmen müssen vor der Anreise einen aktuellen, negativen Covid-19-Test nachweisen oder vor Arbeitsantritt getestet werden. Bei Angestellten mit direktem Gästekontakt im Seilbahn-, Gastronomie- und Rettungsbereich soll außerdem täglich vor Dienstbeginn die Temperatur gemessen werden. Nicht nur in Ischgl: damit die Sicherheitsabstände ausreichend eingehalten werden können, wird es eine Beschränkung der Gästezahlen in den Gastronomiebetrieben geben. Also besser einen Proviantbeutel mitnehmen.

In Skirestaurants wird es lange Wartzeiten geben


Einen Wermutstropen erwartet Professor Ralf Roth von der Deutschen Sporthochschule Köln: Sollten die möglichen Kapazitäten der Lifte doch unter dem Normalbetrieb liegen, wird sich das auf den Preis der Skipässe auswirken. Professor Roth rechnet damit, dass in der neuen Saison die Gäste für die Beförderung zum Gipfel noch tiefer in die Taschen greifen müssen. Ob die Gondeln und Kabinen wie bislang voll besetzt werden dürfen ist noch nicht entschieden, gilt aber als eher unwahrscheinlich. Um den drohenden langen Wartezeiten entgegenzuwirken werden in vielen Orten die Lifte früher als üblich starten.


Gerade für kleinere Skigebiete ist aber noch alles offen, denn in diesen oft gemütlichen Skigebieten muss die Auslastung bei mindestens 80% liegen, um Lifte und Gaststätten wirtschaftlich bereiben zu können. Die Fideriser Heuberge haben als erstes Schweizer Skigebiet angekündigt, das die Lifte deswegen in der kommenden Saison stehen werden: „Auf Grund der unsicheren Covid Situation haben wir uns entschieden, die kommende Wintersaison zu pausieren und den Betrieb im Sommer 2021 wieder aufzunehmen„.Alle Skigebiete blicken mit Sorgen auf die Infektionszahlen, die bis zum Ende der Skisaison im April nächsten Jahres nach Möglichkeit gar nicht mehr steigen sollten. Es geht nicht nur um den Spaß im Schnee, vor allem geht es um viele Tausend Arbeitplätze.


Wolfgang Zehrt, ddna