Diese Tiere sind dem Artensterben in letzter Sekunde entkommen

Säbelantilope: in Tunesien, Marroko und Senegal wieder angesiedelt

Es passiert in den europäischen Waldböden, in abgelegenen Teilen des Amazonas-Urwalds oder in den glühend heißen Savannen Afrikas, lautlos und meist ohne Schlagzeilen: immer mehr Arten von Lebewesen verschwinden. Das in Deutschland und Europa früher wesentlich mehr Schmetterlinge und mehr Insekten zu sehen waren fällt vielen Menschen auf, aber das Aussterben von Tieren und Insekten findet oft unbemerkt statt. Immerhin – es werden machmal  Arten gerettet, die kurz davor standen, von der Erdoberfläche oder aus den Meeren zu verschwinden. Die Rettung des iberischen Luchses gilt inzwischen als gelungen, an ihr war auch das Leibniz-Institut für Wildtierforschung in Berlin (Luchsportal) beteiligt.

Der iberische Luchs fand in Spanien keine Nahrung mehr. In Zoos wurde kurz vor dem Aussterben eine neue Generation gezüchtet, die inzwischen in Spanien geschützt lebt.


In den vergangenen 50 Jahren sind laut Umweltorganisation WWF 2/3 der Tierwelt vernichtet worden. Vernichtet heißt, es gibt keinen einzigen Vertreter der Spezies mehr, auch nicht im Zoo. Die weltweite Population von Tieren, Vögeln und Fischen ist damit um fast 70 Prozent geschrumpft. Die beiden Hauptgründe machen deutlich, warum sich das Artensterben nur auf Kosten der ärmeren Länder verlangsamen oder sogar stoppen ließe. Die Vernichtung von Wäldern und die Ausbreitung der Landwirtschaft bringt bescheidenen Wohlstand und sind die beiden menschlichen Ursachen. Die Gier Europas und der USA nach preiswerten und noch preiswerteren Fleisch und Getreide ermöglicht in Südamerika, Asien und Afrika Millionen von Bauernfamilien ein erträgliches Auskommen. Den Menschen dort die Schuld an dem Artensterben zu geben wäre sehr bequem. Die Räume für nicht menschliche Lebewesen schrumpfen immer mehr, mit politischem Willen (in den Wohlstandsländern) wäre dieser Prozess zumindest deutlich zu verlangsamen.

 


Das Schicksal der Schwarzfußiltisse ist eng mit dem der Präriehunde verknüpft © Clay Bolt / WWF-U

Galt bereits als verschwunden, dann wurde eine kleine Gruppe von 20 Tieren entdeckt: der Schwarzfuß-Iltis. Gegen Seuchen wird er mit Impfstoff versorgt, der in Erdnußbutter-Ködern versteckt ist.

4.400 Arten sind in 50 Jahren ausgestorben und ein Ende ist nicht abzusehen. Die Zerstörung des Tierlebens habe sich in den vergangenen Jahren weiter beschleunigt, sagt der internationale Direktor des World Wildlife Found, Marco Lambertini. 2016 habe seine Organisation eine Zerstörung der Tierwelt von 60 Prozent dokumentiert, nur vier Jahre später seien es bereits fast 70 Prozent. Dieser Zeitraum sei „ein Augenblick“ im Vergleich zu den „Millionen von Jahren, die viele Arten auf unserem Planeten gelebt haben„. In den nächsten 20 Jahren werden laut WWF wahrscheinlich 500 weitere Arten aussterben. Erfolgsgeschichten gibt es, aber sie sind spärlich.

Alle fünf Minuten fällt ein Pangolin der Wilderei zum Opfer (Zoological Society of London). Die Schuppen werden für asiatische Medizin illegal gehandelt.

Was den Pangolinen neben ihren Schuppen zusätzlich zum Verhängnis wird: Das Fleisch der Schuppentiere wird in Asien als Delikatesse angepriesen. Eine Schale Pangolin-Fötus-Suppe kostet dort in einigen Teilen des Kontinents etwa 2500 Dollar (etwa knapp 2200 Euro). Mehr als eine Million der niedlichen Säugetiere wurden in den vergangenen zehn Jahren gewildert – mehr als Nashörner, Elefanten und Tiger zusammen. Ein neues Schutzgebiet in Südafrika könnte die letzte Tiere dieser Art vor dem Aus bewahren.


Seit 2010 konnten immerhin 18 Vogel- und 7 Säugetierarten durch Naturschutzmaßnahmen gerettet werden. Zu den Erfolgsgeschichten gehören auch das Javan-Nashorn, das Zwergschwein und die rosa Taube.

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Die Rosa Taube wurde unter anderem im Vogelpark Walsrode gezüchtet, inzwischen gibt es wieder 400 frei lebende Exemplare, vor allem auf Mauritius.

Dr. Rike Bolam von der Newcastle University, die mit ihrem Team untersuchte, welche vom Aussterben bedrohten Tiere von 1993 bis 2020 allen Prognosen zum Trotz überlebten: „Einige dieser Arten haben sich extrem gut erholt, auch wenn das zum Teil mit wirklich großen Bemühungen verbunden war, von Forschern, Politikern und privaten Tierschutzorganisationen„.


Der Verlust ganzer Arten kann gestoppt werden, wenn der Wille dazu ausreicht„, sagte der Co-Autor der Studie, Phil McGowan. „Dies ist ein Aufruf zum Handeln: Es zeigt was wir erreichen können, wenn wir jetzt handeln, um die Erhaltung zu unterstützen und das Aussterben zu verhindern„.


Wolfgang Zehrt, ddna