Deutliche Tarifunterschiede an Ladesäulen für Elektroautos

Ein Elektroauto wird geladen

Bild: Ein Elektroauto wird geladen (INA FASSBENDER AFP)

Nicht nur der flächendeckende Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektroautos sorgt für Diskussionen – auch der Zugang zu den Ladesäulen und die Tariflandschaft in Deutschland sind einer Analyse des Ökostromanbieters Lichtblick zufolge noch wenig verbraucherfreundlich. „Unterwegs Strom laden bleibt auch 2020 für die Mehrzahl der E-Auto-Fahrer eine Zumutung“, kritisierte das Unternehmen am Montag. „Gegenüber den Vorjahren sind kaum Fortschritte zu verzeichnen“.

Lichtblick verglich nach eigenen Angaben die Angebote von 14 Ladestromanbietern – und monierte undurchsichtige Tarife und Abrechnungsbedingungen. Die Strompreise an einer gewöhnlichen Ladesäule variierten in der Untersuchung zwischen 32 Cent pro Kilowattstunde bei den Dresdner Stadtwerken – das entspricht etwa dem Haushaltspreis – und 52 Cent pro Kilowattstunde bei Eon.

„Bei zwei Anbietern können E-Auto-Fahrer kostenlos laden – offenbar lohnt sich der Abrechnungsaufwand noch nicht“, erklärte Lichtblick. Vier der untersuchten Anbieter verlangten demnach Pauschalpreise zwischen 5,56 Euro (Stadtwerke Düsseldorf) und 14,49 Euro (Comfortcharge) pro Ladevorgang. In manchen Fällen mussten Zusatzgebühren gezahlt werden. „Für Verbraucher ist dieser Tarifdschungel nicht zu durchschauen“, erklärte Lichtblick.

Das Unternehmen kritisierte außerdem die unterschiedlichen Anmeldungs- und Zugangsbedingungen auf dem deutschen Ladesäulenmarkt: Wer lange Strecken elektrisch zurücklege, „muss sich eine Vielzahl von Apps oder Ladekarten besorgen und sich jeweils registrieren.“ Drittanbieter umgehen dieses Problem zwar mittels sogenannter Roaming-Technik, doch „lassen sich diesen Service durch teils kräftige Aufschläge bezahlen“.

„Die Zustände an den Stromtankstellen sind eines der größten Hindernisse für eine grüne Verkehrswende. Dabei wäre ein Systemwechsel hin zu Wettbewerb und Transparenz einfach möglich“, erklärte Lichtblick. Das Unternehmen forderte, die gesamte öffentliche Ladeinfrastruktur grundsätzlich für alle Anbieter freizuschalten. Diese müssten dafür dem jeweiligen Ladesäuleninhaber eine Nutzungsgebühr zahlen. Verbraucher könnten so bei jedem Ladevorgang ihren gewünschten Anbieter mitsamt Tarif wählen.

Laut Bundesverkehrsministerium finden E-Autofahrer deutschlandweit gut 30.000 öffentliche Ladepunkte. Eine sogenannte Ladesäule oder Ladestation kann aus einem oder mehreren Ladepunkten bestehen. Das Bundeskartellamt prüft derzeit die öffentliche Ladeinfrastruktur für Elektroautos – insbesondere auf „strukturelle Wettbewerbsprobleme“.

dwo/ilo