Was ist schlimmer als Medien und Corona ? Medienforscher und Corona !

(Wolfgang Zehrt, ddna). Corona-Folge Lockdown. Der Medienforscher Stephan Russ-Mohl hat entdeckt: schuld daran ist keinesfalls diese possierliche chinesische Fledermaus. Keine Clinton-Verschwörung. Es wurde schlicht zuviel berichtet darüber.

Vielleicht sollten Medienforscher mehr über ihren Forschungsgegenstand wissen. Vor allem, wenn sie außer gelegentlicher Gastbeiträge keinerlei praktische Erfahrung haben. Nicht in der Leitung einer Redaktion, nicht in der Führung eines Ressorts, nicht in der Koordination eines Portals. Nicht als Korrespondent, nicht als einfacher Redakteur. Immerhin hatten das im Fall Russ-Mohl nach seinen eigenen Worten viele Publikationen auch erkannt: „Ich habe probiert, mich einzubringen, aber es hat nicht geklappt. Bei einem Nachrichtenmagazin und bei einer angesehenen Tageszeitung erhielt ich einen Korb, ebenso bei drei Fachmagazinen“.


Einzubringen. Sich einbringen. Wer in den frühen 70er Jahre sozialisiert worden ist kennt dieses Wort noch. Es hat nichts mit der Gegenwart zu tun. Dabei wollte der Forscher lediglich darauf aufmerksam machen das die Medien in der Corona-Berichterstattung alles falsch machen – vor allem, weil sie Zahlen wiedergeben. Fakten also. Diese aber könnten die Menschen beunruhigen, weil sie Fragen aufwerfen. Ich erkenne diese Sicht auf die Menschen wieder, ich habe noch ARD-Redakteure kennengelernt, die ihre Hörer und Zuschauer für zu dumm hielten, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Diese sind aber längst in wohlverdienter Pension.


Anstatt Leichentransporte in Bergamo zu zeigen, hätten sie besser etwas aktiver recherchiert, ob sich das Virus nicht auch mit geringeren Einschränkungen des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens erfolgreich bekämpfen liesse“ – genau. Warum muten Medien dem dummen Nutzer*solche erschreckenden Bilder zu, statt sich auf eine akademisch-wissenschaftliche Auseinandersetzung zu konzentrieren? Weil die Bilder einer erschreckenden Realität sind, vielleicht?


Aber, auch das ist eine eigentlich überlebt geglaubter Allwissenheitsanspruch, was wäre ein Medienforscher, wenn er nicht auch gleichzeitig Experte für Volkswirtschaft wäre: „Das einzige, was wir relativ sicher wissen: dass der Staat, wenn er weiterhin mit Milliarden um sich wirft, irgendwann pleite sein wird“. Aha! Also, um es richtig zu verstehen: Russ-Mohl, der den Medien schwerste Verfehlungen in der Corona-Berichterstattung vorwirft, weil sie Dinge nicht richtig einordnen könnten, erklärt die volkswirtschaftlichen Folgen der Pandemie. Yes! Nun könnte man einwenden, der Medienexperte habe ja auch einmal mehrere Semester Volkswirtschaft studiert. Das ist richtig. Das war zu einer Zeit, als selbst SAP noch nicht gegründet war.


„Haben die Medien möglicherweise durch ihre sehr einseitige Berichterstattung den Shutdown mit herbeigesendet und mit herbeigeschrieben?“ fragt sich Russ-Mohl bereits im April 2020 (!) in der Schweizer Medienwoche . Ich möchte einen Aluhut nicht mit einem Doktorenhut in Verbindung bringen, möglicherweise handelt sich um einen Trumpschen Generationskonflikt mit den Medien, denn genau diese steile These würde der US-Präsident sicher auch über Twitter verbreiten. „[Ich habe] gemerkt, dieser tagesaktuelle Journalismus ist ganz schön stressig und […] oberflächlich“ sagte der Medienforscher treuherzig vor einigen Jahren in einem Beitrag für das Kultur- und Kongresszentrum Luzern. Vor allem, sei hinzugefügt, in Zeiten wie diesen.  Da sollte es angenehmer sein, sich aus der Schweiz gelegentlich einzubringen.