Steigende Infektionszahlen schlagen Konsumenten auf die Stimmung

Passanten auf Brücke in Wolfsburg

Bild: Passanten auf Brücke in Wolfsburg (Ronny Hartmann AFP)

Der deutsche Einzelhandel geht belastet von nachlassendem Optimismus der Kunden in den Teil-Lockdown: Die steigenden Corona-Infektionszahlen drückten die Stimmung der Verbraucher im November erstmals seit sechs Monaten, wie der Handelsverband Deutschland (HDE) mitteilte. Das Konsumbarometer des HDE sank von 98,66 Punkten im Oktober auf nun 98,01 Punkte. Die Verbraucher seien unter anderem wegen „wachsender Unwägbarkeiten auf dem Arbeitsmarkt verunsichert“, erklärte der Verband.

So sei bei den Einkommenserwartungen der Verbraucher „nachlassender Optimismus zu beobachten“, erläuterte der HDE am Montag. Der Wert liege „derzeit deutlich unter Vorjahr“. Insbesondere die Konjunkturerwartungen der Verbraucher hätten sich verschlechtert.

Das HDE-Konsumbarometer erscheint monatlich und basiert auf einer Umfrage unter 2000 Menschen zur Anschaffungsneigung, Sparneigung, finanziellen Situation und zu anderen konsumrelevanten Faktoren. Es bildet nicht das aktuelle Verbraucherverhalten ab, sondern die erwartete Stimmung in den kommenden drei Monaten.

In den vergangenen beiden Jahren gab es dem Handelsverband zufolge zum Vorweihnachtsgeschäft stets einen Anstieg der Anschaffungsneigung. Aktuell zeige sich hingegen ein marginaler Rückgang. „Sollte die derzeitige steigende Entwicklung bei den Infektionszahlen weiter anhalten und mit neuen Eindämmungsmaßnahmen einhergehen, dann ist davon auszugehen, dass die Erholung der Verbraucherstimmung gestoppt ist und sich die Stimmung wieder dauerhaft eintrüben wird“, erklärte der HDE.

Ein merkliches Anziehen des privaten Verbrauchs sei in naher Zukunft damit „sehr unwahrscheinlich“, fügte der Verband hinzu. Vielmehr könnten sich sowohl durch ein weiter zunehmendes Infektionsgeschehen als auch durch das Auslaufen der bis zum Jahresende befristeten Mehrwertsteuersenkung „zusätzliche negative Effekte auf den privaten Konsum ergeben“.

Infolge der massiven Corona-Einschränkungen war das Konsumbarometer im Frühjahr heftig eingebrochen. Das Barometer für Mai landete auf dem tiefsten Stand seit Beginn der Messungen im Jahr 2016. Seitdem stieg die Konsumlaune wieder.

Am Montag traten in Deutschland wieder härtere Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Kraft. Der gemeinsame Aufenthalt in der Öffentlichkeit ist nur noch Menschen aus zwei Hausständen erlaubt, höchstens aber zehn Menschen. Das Angebot von Gastronomie sowie Übernachtungsangebote werden massiv eingeschränkt, zahlreiche Betriebe und Einrichtungen wie Opern, Theater, Schwimmbäder und Fitnessstudios müssen schließen. Anders als beim Lockdown im Frühling bleiben Schulen und Kitas aber offen. Auch der Einzelhandel kann seine Läden weiterhin öffnen.

Positive Zahlen kamen am Montag dagegen aus der Digitalbranche, in der sich das Geschäftsklima zuletzt weiter aufhellte. Im Oktober bewerteten die IT- und Telekommunikationsunternehmen sowohl die Geschäftslage als auch die Aussichten für die nähere Zukunft besser als im Vormonat, wie der Branchenverband Bitkom mitteilte. Der Index zur aktuellen Geschäftslage stieg demnach um 1,8 Zähler auf 18,5 Punkte.

Noch stärker legten die Erwartungen für die kommenden sechs Monate zu. Diese steigen laut Bitkom um 4,0 Zähler auf 14,0 Punkte.

„Das Geschäftsklima in der Digitalbranche hat sich im Oktober weiter verbessert und entwickelt sich damit im Gegensatz zur Stimmung in der Gesamtwirtschaft positiv. Die Unternehmen blicken mehrheitlich mit Zuversicht in die Zukunft“, erklärte Bitkom-Präsident Achim Berg. Zugleich warnte er vor „Unsicherheit“ wegen der Zuspitzung des Infektionsgeschehens und der neuen Einschränkungen.

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