Wie neobroker den Aktienhandel demokratisch machen wollen

Ihnen sind 2,685 Euro für eine einzige Aktie zu viel? Das ist der Preis, der in dieser Woche für einen Anteil des Corona-Pandemie-Gewinners amazon bezahlt werden müsste. Es gibt aber die Möglichkeit, von dieser oder anderen sehr teuren Aktien nur einen Anteil zu kaufen. Ein 1/10 amazon-Aktie sind zwar immer noch 260 Euro, aber das ist schon deutlich erschwinglicher. Noch vor wenigen Jahren wäre der Kauf eines Aktien-Anteils gar nicht möglich gewesen. Die neobroker sind dabei, alte Zöpfe im Aktien- und Börsengeschäft gründlich abzuschneiden.


Mit der Aussicht eine der ältesten Branchen der Welt zu verändern werden neobroker von Gründern initiiert, die von ihrer Kompetenz her ganz weit oben bei einer der „klassischen“ Banken mitspielen könnten. Es aber bewusst nicht wollen. Die Brüder Manuel und Dominic Heyden haben mit nextmarkets einen solchen neobroker geschaffen, der von Top-Investoren aus aller Welt begleitet wird. Darunter ist auch Peter Thiel, einer der Mitgründer von paypal.


Die „Demokratisierung des Aktienhandels“ ist ein großes Ziel dieser Gründer –  ein wichtiger Punkt dabei ist, dass es keine Ordergebühren gibt. Dies war vor kurzer Zeit noch undenkbar und steht im Gegensatz zu den Geschäftspraktiken der Großbanken. Vor allem für daytrader, die Unternehmens- oder Fondanteile häufig an- und verkaufen, ist dies eine deutlicher Gewinn.


Wie können die Trader der neuen Generation auf Ordergebühren verzichten, die bei anderen Banken bei jeder einzelnen Transaktion berechnet werden?

  • durch einen kleineren Mitarbeiterstamm
  • durch eine wenig kostenintensive Infrastruktur
  • durch eine perfekte Digital – und IT-Technologie

Ihren Gewinn erzielen die Anbieter dadurch, dass sie Transaktionen an außerbörsliche Handelsplattformen vermitteln. Von den Plattformbetreibern erhalten sie eine Provision für jede vermittelte Order – aber eben nicht von den Kunden.  Außerdem gibt es im außerbörslichen Handel keine Makler-Courtagen oder Börsenplatzgebühren. Versteckte Kosten brauchen nicht befürchtet zu werden, denn das würde den Ruf der jungen Trading-Häuser zerstören. Der Geschäftsführer von nextmarkets, Manuel Heyden, hat dazu eine deutliche Meinung: „Beim Trading und Investieren fehlt es bei vielen Anbietern oft an Transparenz. Das sollte so nicht sein. Deshalb sind bei nextmarkets alle Schritte nachvollziehbar.”


Nicht nur Aktien – für risikobewusste Anleger gibt’s auch Angebote

7.000 Aktien, 1.000 EFTs (Fonds die wie Aktien gehandelt werden) und auch Bitcoins können mit nextmarkets gehandelt werden. Während der Handel mit den Kryptowährungen gerade im Moment nur Anlegern mit viel Spaß am Risiko empfohlen werden kann, braucht man als eher vorsichtiger Mensch nicht auf neobroker verzichten. „Wir trotzen der Nullzins-Politik“, sagen die Gründer von nextmarkets und werben für ein „Spar-CFD“, das mit der vollen Auszahlung von 1,25% Zinsen pro Jahr zu den positiven Ausnahmen in der aktuellen Welt der Anlage-Möglichkeiten gehört.


Manuel Heyden, Geschäftsführer von nextmarkets: „Die Negativzinsen der EZB führen aktuell weiterhin zu einer regelrechten Enteignung der Anleger im Euroraum, da die Inflationsrate unsere Ersparnisse dahinfließen lässt. Die US-Notenbank hat jedoch in letzter Zeit den Leitzins kontinuierlich angehoben. Und genau diese Zinsdifferenz nutzen wir mithilfe von Finanzmathematik aus und machen sie handelbar.“


Demokratisierung“ heißt aber bei diesem neobroker auch, dass es für Aktien- und Anlageneulinge kostenlose Coachingprogramme gibt. Denn noch ist in Deutschland der Anteil von Anlegern, die selbst mit Aktien handeln, im Vergleich zu den meisten anderen Ländern verschwindend gering. „Theoretische Ansätze konsequent in die Praxis umsetzen und auf plötzliche Veränderungen der bisherigen Analyse zügig reagieren“ – das kann man durchaus lernen, ohne gleich zum „Supertrader“ zu werden, davon ist der Mit-Gründer des Brokers überzeugt“. Neobroker wie nextmarkets sind ohne Zweifel in der Finanz- und Anlagewelt längst überfällig gewesen.

Andreas Krämer