Sport in NRW: Das SID-Kalenderblatt am 16. November: Klaus Fischers Jahrhundert-Fallrückzieher

Klaus Fischer im Deutschen Fußballmuseum

Bild: Klaus Fischer im Deutschen Fußballmuseum (FIRO/FIRO/SID/ FIRO/FIRO/SID/)

Hunderttausende Jungs und Mädchen haben es auf Gummiplätzen, matschigen Wiesen und in Fußball-Käfigen nachgestellt. Einer (oder eine) wirft den Ball zu, einer (oder eine) geht hoch, fühlt sich wie ein Superstar, setzt zum spektakulären Klaus-Fischer-Fallrückzieher an – und landet dann doch meist nur schmerzhaft auf dem Hosenboden.

Klaus Fischer, die Schalker Legende, hatte das akrobatische Kabinettstückchen perfektioniert, zunächst als Improvisationskünstler. „Fallrückzieher sind immer ein Stück weit Verlegenheit“, sagte er einmal. Dennoch: „Aus einem schlechten Ball kannst du kein Fallrückziehertor machen. Die Flanke muss hoch genug sein, man muss den Ball perfekt treffen, ihn aufs Tor bringen. Und dann steht da ja noch der Torwart, der ihn halten kann.“

Häufig konnte er das nicht. Schon gar nicht bei Klaus Fischer, der jüngst in die Hall of Fame des deutschen Fußballs aufgenommen wurde. Der „goldene Schuss“ in die Unsterblichkeit, das Tor des Jahrhunderts, der perfekte Scherenschlag war ihm am 16. November 1977 vor der Deichmann-Werbebande im Stuttgarter Neckarstadion zum 4:1 gegen die Schweiz gelungen.

„Ein anderer Fallrückzieher war aber wichtiger“, sagt Klaus Fischer. „Der gegen Frankreich im WM-Halbfinale 1982.“ Er war nicht minder schön.

Einen Fußball-Akt als Markenzeichen zu haben, das ist wenigen gelungen. Ronaldo vielleicht mit dem „Übersteiger“, Ronaldinho mit dem hexerischen „Elastico“. So etwas „war nicht meine Art der Angriffswaffe“, sagt Klaus Fischer, der Niederbayer im Ruhrpott-Exil. Er war mit 268 Toren in 535 Bundesligaspielen eher ein Vollstrecker – bis heute der zweitbeste nach Gerd Müller (365 Tore).

1971 verhedderte sich Fischer folgenschwer im Bundesligaskandal („Jugendsünde“ nennt er das), dennoch wurde er in die Ruhmeshalle im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund aufgenommen. Dort übrigens lässt sich sein Jahrhunderttor von 1977 ebenfalls nachstellen: ganz bequem und schmerzfrei, auf Polstern gebettet. Mit einem fest installierten Ball.

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