Wie haben digitale Finanzlösungen durch Corona profitiert?

Ein Gastbeitrag von Benjamin Bilski

Die Corona-Krise hat die Welt nachhaltig verändert. Auch wenn – hoffentlich – nächstes Jahr langsam die ersten Schritte wieder zurück in Richtung vorherige Normalität gemacht werden, werden einige Dinge, die sich während dieses Jahres verändert haben, bestehen bleiben. So wird der Trend hin zum Online-Shopping immer noch weitergehen, Menschen werden öfters im Home-Office arbeiten und auch die Art wie Bankgeschäfte in Zukunft abgewickelt werden, wird eine andere sein. Auch im Finanzsektor hat sich bedingt durch die Krise einiges getan in Richtung digitale Lösungen. Weil Menschen aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht mehr in eine Bankfiliale gehen konnten, waren sie gezwungen ihre Geschäfte online abzuwickeln. Auch das wird in Zukunft weiterhin Bestand haben.


Covid beschleunigt das dauerhafte Schließen von Bankfilialen

Laut einer Umfrage, die jüngst von der Anleger-Plattform WeltSparen und von der Business Bank Penta durchgeführt wurde, wurde während der Corona-Krise ein starker Trend hin zum Onlinebanking verzeichnet. In der Studie wurden 2.000 Nutzer zu ihrem Banking-Verhalten befragt. Die Meinungen sind eindeutig: 87,9 Prozent der Befragten gaben an, dass sie davon ausgingen, dass ihre Kinder und Enkel nur noch per Onlinebanking ihre Geschäfte abwickeln würden.

Daher hat sich nun bestätigt, was sich schon lange abzeichnet: Bankfilialen sind eine aussterbende Spezies. Während es 2009 in Deutschland noch rund 39.000 Bankfilialen gab, gab es 2019 nur noch 27.000. Aufgrund der Corona-Krise dieses Jahr dürfte sich das Filialsterben jetzt noch weiter beschleunigen. Die großen Profiteure dieser Krise sind daher die digitalen Dienste.


Die Gründe fürs Onlinebanking

Bei der Umfrage wurde auch danach gefragt, was die größten Vorteile des Onlinebankings gegenüber dem Gang zur Filiale seien. 86 Prozent gaben hier die Zeitersparnis als größten Vorteil an, der auch in Zukunft weiterhin eine sehr wichtige Rolle spielen würde. Für 72 Prozent der Befragten ist die Benutzerfreundlichkeit ein klarer Vorzug, für 44 Prozent sind es Funktionen und Features, die eine Bankfiliale nicht liefern kann.

Interessant dabei ist der Fakt, dass 51,5 Prozent der Befragten nicht nach den oben genannten Kriterien ihre Onlinebanking-Anwendung ausgesucht haben, sondern sich für jene ihrer Hausbank entschieden haben. Das Vertrauen spielte dabei für 41 Prozent der Befragten eine entscheidende Rolle. Die Kunden wollen also vorwiegend ihrer Hausbank die Treue halten aufgrund des funktionalen Mehrwerts, den das Onlinebanking bietet.


Das Nutzungsverhalten beim Onlinebanking

46 Prozent der Befragten nutzen ihren Heimrechner zum Onlinebanking. Mobiles Banking spielt daher immer noch eine untergeordnete Rolle, ist jedoch stark im Kommen, denn immerhin benutzen 45 Prozent der Befragten auch ihr Smartphone fürs Banking. Banking-Apps werden daher in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen, um den Kunden den größtmöglichen Komfort zu bieten.
Gerade jüngere Menschen, die – überspitzt formuliert – schon mit einem Smartphone auf die Welt kommen, sind sehr stark an mobilen Lösungen interessiert.

Mobile, digitale Lösungen für Banking und Investment werden in Zukunft den Markt dominieren. Bild: Pixabay, Gerd Altmann


Welche Rolle spielen in Zukunft Fintechs?

Dass der Trend hin zum Onlinebanking und digitalen Finanzlösungen geht, ist nun klar erkennbar. Auch das Interesse an mobilen Diensten steigt. Nun stellt sich die Frage, wie sich Finanzdienstleister mit ihren Angeboten in diesem Markt neben den gewöhnlichen Banken platzieren können und ob sie damit eine Chance haben.

Fintech-Unternehmen („Financial Technology“) entwickeln oft Insellösungen für einen speziellen Finanzbereich. PayPal ist zum Beispiel ein solcher Dienst, der für weltweite, bargeldlose Überweisungen eingesetzt werden kann.

Das Geschäftsfeld sogenannter Challengerbanken, ist die Zurverfügungstellung eines Bankkontos inklusive sämtlicher Onlinebanking-Features, die Kunden auch bei gewöhnlichen Banken haben. Challengerbanken fordern die großen Bankhäuser daher zurecht heraus, denn sie greifen das Herzstück an: den täglichen Zahlungsverkehr.

Weitere von Fintechs entwickelte Anwendungen sind zum Beispiel auch Neobroker wie Trade Republic, die Kunden einen einfachen Zugang zur Börse ermöglichen, um mit Wertpapieren, Fonds oder Derivaten zu handeln.
Insbesondere bei jüngeren, technikaffinen Menschen sind Neobroker stark nachgefragt. Der Handel an der Börse ist in Deutschland beliebter als jemals zuvor. Auch das ist ein Nebeneffekt der Corona-Krise, denn in dem Crash zum Jahresanfang sahen viele Menschen eine Chance, preiswert in den Aktienhandel einzusteigen. Da Neobroker oftmals ihre Kunden zu sehr günstigen Preisen – manchmal sogar komplett kostenlos – an der Börse handeln lassen, stellen sie für Banken eine echte Konkurrenz dar, da die großen Geldhäuser mit den günstigen Preisen kaum mithalten können.


Durch das Aufkommen des „Social Trading“, bei dem Nutzer erfahrenen Börsenexperten im Internet folgen können, ist es besonders für Neulinge einfach, erfolgversprechende Anlagestrategien nachzuahmen, wodurch die Hemmschwelle zur Investition an der Börse weiter gesenkt wird. Manche Neobroker haben sogar eine Social Trading-Funktion in ihre App integriert, sodass Nutzer dort direkt die Portfolios von anderen, erfolgreichen Nutzern in ihr eigenes Depot kopieren können.
Mit solchen innovativen Lösungen können herkömmliche Banken nicht mithalten, was auch weiterhin für den Erfolg von Fintech-Unternehmen, die Neobroker entwickeln, sprechen wird.


Da wir bei Naga erkannt haben, dass der Trend hin zu mobilen Finanzlösungen geht und Nutzer immer und überall nicht nur ihren Kontostand, sondern auch ihre Investments im Blick haben wollen, sind wir noch einen Schritt weiter gegangen: Wir haben unseren Neobroker um eine Banking-App erweitert und treten nun auch als Challengerbank an. Mit diesem Angebot wollen wir unseren Kunden so nicht nur das tägliche Banking ermöglichen, sondern ihnen auch eine Plattform bieten, auf der sie ihr Geld in Börsenprodukte oder Kryptowährung investieren können.
Wir sind der Meinung, dass Insellösungen für viele Nutzer nur unzureichend sind, und haben daher unser Angebot entsprechend erweitert. Durch das Vereinen von Investment und Banking glauben wir, dass wir so eine noch bequemere Schnittstelle für unsere Kunde schaffen können, sodass die Zeitersparnis beim Banking und Investieren noch größer wird.

Dadurch, dass die Nachfrage nach mobilen und digitalen Lösungen zum Onlinebanking und Investment deutlich zunimmt, kann man davon ausgehen, dass Fintechs in Zukunft weiterwachsen und den Banken weiterhin Konkurrenz machen werden.


Über den Autor:

CEO Naga: Benjamin Bilski

Benjamin Bilski ist Gründer und CEO des Hamburger Fintech-Unternehmens Naga. Die Entwicklung des Neobrokers stellt dabei die Kernkompetenz dar. Mit dem neuen Dienst Naga Pay will das Unternehmen in Zukunft auch Zahlungsgeschäfte abwickeln und so die Investment- mit der Banking-Welt in einer App vereinen. Innerhalb der ersten 21 Tage seit Start des neuen Dienstes nutzten bereits 6.000 Kunden das Angebot und generierten ein Transaktionsvolumen von 2,5 Millionen Euro.