USA: Covid-19-Impfungen für Gorilla, Hunde und Katzen

Wären Sie ein Gorilla im Zoo von San Diego wären Sie schon geimpft Bild: Pixabay/Alexandra Alex

Ein Orang-Utan namens Karen, der 1994 als erster auf der Welt am offenen Herzen operiert wurde, hat erneut Medizingeschichte geschrieben: Sie gehört zu den ersten Menschenaffen, die einen COVID-19-Impfstoff erhalten haben.


Bereits Ende vergangenen Monats haben Karen, drei andere Orang-Utans und fünf Bonobos im San Diego Zoo jeweils zwei Dosen eines experimentellen Impfstoffs für Tiere erhalten, der von einem pharmazeutischen Unternehmen entwickelt wurde, sagt Nadine Lamberski, Chief Conservation and Wildlife Health Officer bei der San Diego Zoo Wildlife Alliance. „Das ist nicht gerade der Normalfall. In meiner Laufbahn hatte ich noch nie so früh Zugang zu einem experimentellen Impfstoff und hatte noch nie ein so überwältigendes Bedürfnis, einen zu verwenden“, sagt Lamberski.


Dieser Meilenstein war durch einen anderen ausgelöst worden: Im Januar wurde eine Gruppe von acht Gorillas im San Diego Zoo Safari Park als erste Menschenaffen der Welt positiv auf das neuartige Coronavirus getestet. Der Silberrücken, der 49-jährige Winston, erkrankte an einer Herzerkrankung und einer Lungenentzündung, doch nach einer experimentellen Antikörperbehandlung erholt er sich, wie auch die anderen, wieder. Weltweit wurden Infektionen auch bei Tigern, Löwen, Nerzen, Schneeleoparden, Pumas, einem Frettchen, Hunden und Hauskatzen bestätigt, aber die Tatsache, dass Menschenaffen für das SARS-CoV-2-Virus empfänglich sind, beunruhigt die Wissenschaftler besonders. Es gibt nur noch weniger als 5.000 Gorillas in freier Wildbahn, und da sie in engen Familiengruppen leben, befürchten die Forscher, dass sich die Infektion schnell ausbreiten und die ohnehin schon gefährdeten Populationen gefährden könnte, wenn sich einer von ihnen mit dem Virus infiziert.


Mehr als ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie ist immer noch wenig darüber bekannt, wie das Virus auf die Tiere wirkt. In vielen Fällen muss sich die Veterinärmedizin auf begrenzte Datensätze verlassen und aus Einzelfällen und sporadischen Ausbrüchen bei einer Handvoll von Tierarten lernen. Nachdem der erste Hund in Hongkong im Februar 2020 positiv auf das Virus getestet wurde, begann das Tierarzneimittelunternehmen Zoetis mit der Entwicklung eines COVID-19-Impfstoffs für Hunde und Katzen. Bis Oktober war es zuversichtlich, dass er bei beiden Spezies sicher und wirksam ist.


Obwohl der Impfstoff nur an Katzen und Hunden getestet worden war, entschied der Zoo von San Diego, dass Risiko einzugehen:  Geimpft wurden 14 Gorillas, acht Bonobos und vier Orang-Utans – allesamt potenziell gefährdete Tiere, die viel Zeit in Innenräumen verbringen, wo die Verbreitung von Krankheiten wahrscheinlicher ist. Im Februar wurden neun der Menschenaffen des San Diego Zoos als erste bekannte nicht-menschliche Primaten in den USA mit COVID-19 geimpft, während sie mit Leckereien von der Nadel abgelenkt wurden.


Die Affen hatten keine unerwünschten Reaktionen und sind wohlauf, sagt Lamberski. Eine Blutentnahme bei Karen, dem Orang-Utan, und einem Bonobo wird bald zeigen, ob sie Antikörper entwickelt haben, deren Vorhandensein auf die Wirksamkeit des Impfstoffs hinweisen würde. Obwohl jeder Impfstoff bei jeder Spezies immer ein gewisses Risiko birgt, sagt Lamberski: „Es ist nicht so, dass wir wahllos einen Impfstoff nehmen und ihn einer neuen Spezies verabreichen. Es wird viel nachgedacht und geforscht – welches Risiko besteht, wenn wir es tun, und welches Risiko, wenn wir es nicht tun. Unser Motto ist vor allem, keinen Schaden anzurichten.“