Studie: Kinder sehen pro Tag 15 Werbeanzeigen für ungesunde Lebensmittel

Reporterinn interviewt Frau

In Fernsehen und Internet sehen Kinder in Deutschland laut einer wissenschaftliche Studie pro Tag durchschnittlich 15 Werbespots und -anzeigen für ungesunde Lebensmittel. Das geht aus einer am Donnerstag vorgestellten Untersuchung der Hamburger Universität für die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (Dank) und die Krankenkasse AOK hervor. Demnach beziehen sich ferner rund 92 Prozent der Lebensmittelwerbung, die Kinder beim Medienkonsum via Fernsehen und Internet wahrnehmen, auf Süßigkeiten oder Fast Food.

Die in der Allianz zusammengeschlossenen Fachverbände und die AOK nannten das Ergebnis der Untersuchung „erschreckend“ und forderten ein Verbot von auf Kinder zugeschnittener Werbung für ungesunde Lebensmittel. „Die Unternehmen haben den Werbedruck auf Kinder bewusst erhöht“, kritisierte die Vizevorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Sigrid Peter.

„Die schädlichen gesundheitlichen Folgen davon sehen wir täglich in unseren Praxen“, erklärte die Kinderärztin weiter. „Wir müssen endlich die Ursachen angehen für Übergewicht bei Kindern – und Werbung ist dabei ein wichtiger Faktor.“ Ihr Verband ist eines der Mitglieder der Allianz, zu der auch der Hausärzteverband, die Deutsche Krebsgesellschaft sowie die Diabetes-Stiftung gehören.

Die Studie ermittelte, wie oft Kinder im Alter zwischen drei und 13 Jahren bei der Mediennutzung pro Tag mit Werbung für ungesunde Lebensmittel in Kontakt geraten. Demnach sehen sie im Schnitt rund zehn entsprechende Werbespots im Fernsehen sowie weitere fünf Werbeanzeigen im Internet. Die Hamburger Wissenschaftler stützten sich auf eigenen Erhebungen sowie Marktforschungsdaten. Diese stammen aus dem Zeitraum von März 2019 bis Februar 2020.

Auch die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch forderte ein Verbot von an Kinder gerichteter Werbung für stark zuckerhaltige Snacks und andere ungesunde Lebensmittel. Damit torpediere die Industrie „die Bemühungen vieler Eltern, ihre Kinder für eine gesunde Ernährung zu begeistern“, erklärte sie am Donnerstag in Berlin. Foodwatch verwies auf ein eigenes juristisches Gutachten. Der Bund könne danach ein solches Verbot verhängen, hieß es.

bro/cfm