Nachrichten aus NRW: Gutachter des Erzbistums Köln verwundert über Vorwurf der Verschleppung

Kardinal Rainer Woelki 2017 bei einer Predigt in Israel

Bild: Kardinal Rainer Woelki 2017 bei einer Predigt in Israel (JACK GUEZ AFP)

Der vom Erzbistum Köln mit der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals im größten deutschen Bistum beauftragte Strafrechtler Björn Gercke hat sich verwundert über die massive Kritik am dortigen Aufarbeitungsprozess gezeigt. In Köln sei das erste Gutachten unter allen deutschen Bistümern in Auftrag gegeben worden, das konkrete Pflichtverletzungen von Geistlichen und Verantwortungsträgern aufarbeite und diese auch namentlich benenne, sagte Gercke am Donnerstag in der Domstadt. Insofern „wundert es ein wenig, dass man sich mit dem Vorwurf der Verschleppung gerade das Bistum Köln zur Zielscheibe macht“.

Der Kölner Strafrechtler will sein seit Oktober erarbeitetes Gutachten zu der Frage vorstellen, wo es im Zeitraum von 1975 bis 2018 im Erzbistum zu Fehlern beim Umgang mit Missbrauchstaten kam ist und wer hierfür die Verantwortung trägt. Mit Spannung wird erwartet, wen Gercke als Verantwortliche benennt. In den vergangenen Wochen gab es Vertuschungsvorwürfe gegen den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und den Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der früher in Köln Personalverantwortlicher war.

Kardinal Woelki kannte die Ergebnisse des 800-seitigen Gutachtens nach den Worten eines Sprechers des Erzbistusms im Vorfeld der seit Donnerstagvormittag laufenden Vorstellung nicht. Woelki will das Gutachten nach der Veröffentlichung in den kommenden Tagen mit den Kölner Kirchengremien diskutieren und dann am kommenden Dienstag mögliche personelle Konsequenzen verkünden – im Raum stehen Beurlaubungen von Verantwortungsträgern, aber auch persönliche Konsequenzen Woelkis.

ran/cfm