Blaulicht Niedersachsen: Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2020 des Polizeikommissariats Wittmund

Polizeiweste

Landkreis Wittmund (ddna)

Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2020 des Polizeikommissariats Wittmund

Deutlicher Rückgang der Straftaten – Aufklärungsquote konstant auf sehr hohem Niveau

Die Anzahl der Straftaten im Landkreis Wittmund ist im Jahr 2020 deutlich rückläufig. Die Straftaten sind um fast 15 Prozent zurückgegangen, in absoluten Zahlen wurden 2020 2867 Straftaten verzeichnet. Im Vorjahr waren es 3369 polizeilich registrierte Straftaten.

Kernpunkte der PKS 2020

– Rückgang der Straftaten im Vergleich zu 2019 um 502 Taten (- 14,9 %) – Aufklärungsquote mit über 70 % auf sehr hohem Niveau – Fälle Häuslicher Gewalt gestiegen (+18 Taten, +12,9 %) – Zahl der Rohheitsdelikte gesunken (-109 Taten, -18,08%) – Weniger Diebstähle (-24,02%) und weniger Wohnungseinbrüche (-48,15%) – Rückgang der Vermögens – und Fälschungsdelikte (-164 Taten, -27,06%)

„Die Aufklärungsquote ist im Landkreis Wittmund mit über 70% konstant auf wirklich sehr hohem Niveau“, fasst Polizeirat Lars Zengler, Leiter des Polizeikommissariats Wittmund, zusammen. „Die hiesige Aufklärungsquote liegt dabei deutlich über dem Landesdurchschnitt. Ein anhaltend hoher Wert im Bereich der Aufklärungsquote mit rückläufigen Fallzahlen spricht dafür, dass wir weiterhin in einer sehr sicheren Region leben „, so Zengler.

Die Veränderungen der Fallzahlen stehen sicherlich auch in Verbindung mit pandemiebedingten Faktoren. Zu den genauen Zusammenhängen liegt noch kein belastbares Zahlenmaterial vor. Klar ist aber, dass insbesondere die Straftaten im öffentlichen Raum im Landkreis Wittmund rückläufig sind.

Zahl der Rohheitsdelikte deutlich gesunken

Die absolute Zahl der Rohheitsdelikte im Landkreis Wittmund liegt 2020 bei 494 Straftaten. Der Rückgang um 109 Taten ist dabei erfreulich. In den vergangenen Jahren waren in diesem Deliktsbereich eher Steigerungen, beispielsweise vom Jahr 2018 auf 2019 um 8%, verzeichnet worden.

Die Aufklärungsquote im Bereich der Rohheitsdelikte liegt 2020 bei absolut erfreulichen 96%. Häufig handelte es sich um Beziehungstaten. Wenn sich Täter und Opfer nicht kannten, konnte die Polizei den mutmaßlichen Täter öfter aufgrund entsprechender Hinweise aus dem jeweiligen Umfeld ermitteln. Der überwiegende Anteil der Rohheitsdelikte sind einfache und gefährliche Körperverletzungen. „Die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs gegen Leib und Leben durch Unbekannte war im Landkreis Wittmund auch im Jahre 2020 äußerst gering“, resümiert Erster Kriminalhauptkommissar Matthias Imhoff, Leiter des Kriminal – und Ermittlungsdienstes des Polizeikommissariats Wittmund.

In der öffentlichen Diskussion stehen derzeit auch Delikte, die im häuslichen Umfeld geschehen und polizeilich als „Häusliche Gewalt“ erfasst werden. Für den Landkreis Wittmund ist im Jahr 2020, im Vergleich zum Vorjahr, eine leichte Steigerung der Fallzahlen feststellbar. Nach 139 Fällen im Jahr 2019 wurden im Jahre 2020 157 Einträge aktenkundig und im Rahmen von polizeilichen Ermittlungen bearbeitet.

Ob ein Zusammenhang des Anstiegs der Fallzahlen im hiesigen Bereich mit der Corona – Pandemie besteht, unterliegt dabei einer weiteren Prüfung. Dennoch behält die Polizei im Landkreis Wittmund diese Entwicklung genau im Blick. „Fest steht, dass jeder Fall“ Häuslicher Gewalt „einer zu viel ist. Wir gehen davon aus, dass auch nicht jeder Fall polizeilich angezeigt wird. Wir sind daher insbesondere als Gesellschaft gefordert, sehr sensibel zu reagieren „, sagt Lars Zengler.

Stark rückläufige Zahlen beim Diebstahl

Die absolute Zahl der Diebstähle ist mit einem Rückgang von 24% geradezu eingebrochen. Der schwere Diebstahl, also dort wo besondere Sicherungen zur Diebstahlsrealisierung überwunden werden mussten, ist im Landkreis Wittmund sogar um 32 % rückläufig. Auch in einer langjährigen Betrachtung zurückliegender Jahre war bereits ein grundsätzlich rückläufiger Trend erkennbar.

Der nunmehr deutliche Rückgang dürfte auch durch die coronabedingten Einschränkungen erklärbar sein. Aufgrund der pandemiebedingten Maßnahmen waren bspw. Geschäfte zeitweise geschlossen. Gleichzeitig hielten sich die Bürgerinnen und Bürger mehr zu Hause oder im Homeoffice auf.

Diebstählebruchdiebstähle aus Wohnungen oder vom eigenen Grundstück hatten also ein deutlich höheres Entdeckungsrisiko und sind vermutlich auch deshalb rückläufig.

Diebstahl insgesamt: 820 (2019) / 623 (2020) / 43,3% (+4,8%) AQ 2020

Davon Schwerer Diebstahl: 329 (2019) / 223 (2020) / 29,2 % AQ 2020

Davon Wohnungseinbruchdiebstahl (inkl. Versuchstaten): 54 (2019) / 28 (2020) / 35,7 % AQ 2020

Der Bereich der Diebstahlsdelikte zählt zu den sogenannten aufklärungsungünstigen Delikten. Die Polizei muss in dem Zusammenhang in der Regel nach einem zunächst unbekannten Täter suchen. Dennoch konnten die in der obenstehenden Tabelle aufgeführten, überdurchschnittlichen Aufklärungsquoten erreicht werden.

Vermögens – und Fälschungsdelikte

Die Zahlen der Vermögens – und Fälschungsdelikte sind deutlich gesunken. Im Kern handelt es sich in der Deliktsgruppe um Betrugsstraftaten. In 2019 wurden 606 Taten verzeichnet, im Jahre 2020 sank die absolute Zahl um 164 auf 442 Straftaten. Vorwiegend wurden Waren im Internet bestellt und geliefert, aber nicht bezahlt. Die Aufklärungsquote liegt bei erfreulichen 81%. In diesem Deliktsbereich sind verstärkt Serientäter für Steigerungen bzw. den Rückgang von Taten in einem Jahr verantwortlich.

Die statistische Erfassung der Delikte arbeitet dabei nach dem Tatortprinzip. Erfasst werden lediglich Delikte, die ihren Tatort im Landkreis Wittmund haben. Wird ein Bürger oder eine Bürgerin aus Wittmund Opfer einer Betrugsstraftat mit auswärtigem oder unbekanntem Tatort, wird diese Tat in der Kriminalstatistik für den Landkreis Wittmund nicht erfasst. Dennoch erfordern diese Anzeigen akribische Arbeit, um gegebenenfalls den Täter oder die Täterin an einem anderen Tatort zu ermitteln. In immerhin 190 Fällen war der sogenannte „Erfolgseintrittsort“ im Landkreis Wittmund.

Rauschgiftdelikte

Rauschgiftdelikte finden grundsätzlich eher im Verborgenen statt. Im Jahr 2019 wurden 282 Rauschgiftdelikte verzeichnet. Im Jahre 2020 sank die Zahl auf 236 Fälle und somit auf das Niveau von 2018. Dabei handelt es sich überwiegend um sogenannte Allgemeine Verstöße. Ein Großteil der Delikte steht im Zusammenhang mit Cannabis. Jedoch wurden auch im Jahr 2020 vermehrt Amphetamine und Kokain festgestellt. Es ist von einer entsprechenden Dunkelziffer auszugehen.

Umweltdelikte

Im Jahre 2020 wurden 114 Umweltstraftaten aktenkundig – ein Wert, der dem Vorjahresniveau nahezu gleichbleibend entspricht.

Straftaten im Bereich der Kinder – und Jugendkriminalität

Im Zuständigkeitsbereich des Polizeikommissariats Wittmund wurden im Jahr 2020 insgesamt 216 Jugendliche und 141 Heranwachsende als Tatverdächtige ermittelt, die 302 Straftaten begangen haben. Bei insgesamt 1483 ermittelten Täterinnen und Tätern machen Jugendliche und Heranwachsende einen Prozentsatz von 24 % der ermittelten Täterinnen und Täter aus.

Für die Bearbeitung von Jugendsachen müssen zusätzlich spezielle Standards beachtet werden. Dabei wird auch ganz besonderer Wert auf die präventive Wirkung der polizeilichen Arbeit gelegt. „Die Polizei arbeitet dabei insbesondere in diesem Bereich mit vielen anderen Institutionen und Behörden zusammen. Hier möchten wir daher einen ausdrücklichen Dank aussprechen, „betont Lars Zengler.

Sonstige Ereignisse

Todesermittlungen, Vermissten – und Brandsachen gehören ebenfalls zum polizeilichen Aufgabenspektrum. Die Ermittlungen in diesen Tätigkeitsfeldern erfordern einen gewissen Aufwand, schlagen sich jedoch nicht in der Polizeilichen Kriminalstatistik nieder.

Todesermittlungen: 68 (2019) / 46 (2020) Brandsachen: 56 (2019) / 50 (2020) Vermisstensachen: 50 (2019) / 64 (2020)

„Polizeiliche Arbeit lebt vom Austausch. Wir danken daher allen aufmerksamen Bürgerinnen und Bürgern für Hinweise, die die polizeiliche Arbeit erfolgreich gemacht haben. Neben der guten Arbeit der Beamtinnen und Beamten sind wir auch auf die Mithilfe aus der Bevölkerung angewiesen, „resümiert Matthias Imhoff.

Diesen Aspekt greift Lars Zengler auf: „Wir sind als Polizei im Landkreis Wittmund 24 Stunden an 7 Tagen in der Woche für Sie da. Bitte informieren Sie uns bei Auffälligkeiten – wir gehen jedem Hinweis nach!“

Quelle: Polizeiinspektion Aurichtmund, Übermittlung: news aktuell

(Alle Informationen beruhen auf Angaben der zuständigen Polizei von heute)