Coronakrise: Existenzbedrohung für deutsche und englische Internate

Nicht nur Geschäftsreisende blieben zuhause – auch Internats-Schüler sind kaum noch am Flughafen zu sehen. Bild: Pixabay/Stela Di


(ddna) Bereits mit der ersten Welle begannen für private Internate die wirtschaftlichen Probleme. Zahlreiche Schüler wurden abgemeldet, in der Lockdown-Phase mussten teilweise Gebühren zurückerstattet werden. Darüber hinaus sorgten die Grenzschließungen für einen deutlichen Rückgang von Internatsschülern aus China, Russland und weiteren Ländern.

Dies führte zu besonders hohen Einbußen, denn ausländische Eltern werden oft noch mehr zur Kasse gebeten. Zuvor wuchs der Anteil von internationalen Jugendlichen an deutschen Internaten stark an.

Millionenschwere finanzielle Einbußen 2020

Burkhard Werner, der Schulleiter der privaten Hermann-Lietz-Schule in Thüringen, die über ein angeschlossenes Internat verfügt, spricht von „millionenschweren Einnahmeausfällen“ bei Privatschulen. Im Jahr 2020 waren viele von ihnen in ihrer Existenz bedroht.

Sie gingen auf die Barrikaden und erreichten dadurch, dass die deutsche Regierung den Visastopp aufhob. Laut Mitteilung des Gesamtleiters des baden-württembergischen Internats Schloss Salem, Bernd Westermeyer, konnten dadurch letztendlich auch die Schüler aus dem Ausland nach den Herbstferien 2020 anreisen.


Kleinere Internate leiden am meisten

Mittlerweile verzeichnen viele Eliteschulen wieder eine gute Auslastung. Anders sieht es bei kleineren Internaten aus, darunter an der Urspringschule in Schelklingen, Baden-Württemberg. Der Schulleiter Rainer Wetzler berichtet, dass weiterhin zehn der 130 Internatsbetten leer stehen.

Seiner Meinung nach liegt es unter anderem an der fehlenden Entscheidungsfreude der Eltern. Sie seien verunsichert und haben Angst vor einer Verschlechterung ihrer finanziellen Situation – mit der Folge, die hohen Kosten einer Privatschule nicht mehr tragen zu können. Weiterhin sei im Jahr 2020 in Baden-Württemberg nicht ein Schüler „sitzen geblieben“. Mütter und Väter denken deshalb weniger oft an einen Schulwechsel.


Doppelte Bedrohung in England durch Brexit und Krise

Auch englische Internate leiden deutlich unter der Krise. Hinzu kommt der Brexit, der die Schülerzahlen verringert, denn durch den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union haben sich die Bedingungen für ausländische Schüler verkompliziert.

Zudem sorgt die Pandemie für große Unsicherheit. Zu den europaweit am schwersten betroffenen Ländern gehört das Vereinigte Königreich. Die Schulen waren im Zuge des Lockdowns lange Zeit geschlossen. Seit März 2021 sind sie wieder geöffnet, ob dies dauerhaft so bleiben kann, lässt sich nicht vorhersagen.

Ebenso wie in Deutschland mussten die englischen Internate ihre Schulgebühren senken. Zahlreiche Eltern sind nicht mehr bereit, den – im Durchschnitt bei 12.000 Pfund pro Semester liegenden – Betrag zu leisten und gleichzeitig Abstriche beim Präsenzunterricht in Kauf zu nehmen.

Somit waren die Internatsleiter zur Senkung ihrer Gebühren gezwungen. Aufgrund der Einreiseprobleme geben sich außerdem viele Mütter sowie Väter zurückhaltend und verwerfen ihren Plan, ihren Kindern ein Schuljahr in England zu ermöglichen.