Mieten Berlin – warum wollen die Londoner eigentlich keine Enteignung?

Berlin Neu-Westend: Ehemals Künstler- und TV-Viertel, auch heute „bevorzugte Wohnlage“ – vergleichbar mit Chelsea in London


(ddna). In den nächsten Monaten wird sich zeigen, ob die spektakuläre und ziemlich aussichtslose Enteignungskampagne Investoren auf dem Wohnungsmarkt so verunsichert, dass sie die Baustopp-Taste drücken. Auf der anderen Seite: In welcher europäischen Metropole sollten die Mega-Konzerne sonst bauen? In London und Paris gehen Immobilienpreise ganz leicht zurück, allerdings auf einem Niveau, von dem Berlin noch Lichtjahre entfernt ist: Mieten in Berlin und die Immobilienpreise gleichen eher denen in einer abgelegenen britischen Grafschaft


Nicht London aber Immobilienpreise in Berlin steigen weiter

Ein Beispiel: Im einer sehr guten Lage von Berlin-Charlottenburg (14052) werden aktuell 23 Eigentumswohnungen mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 5.819 Euro angeboten. Dies ist im Vergleich zum September des vergangenen Jahres eine Preisveränderung von plus 14% (5.083 Euro/m²) und zum September vor 5 Jahren eine Veränderung um plus 92% (3.027 Euro/m²). Auch verglichen mit dem Preisniveau aller 699 Kaufangebote der vorherigen 12 Monate (5.394 Euro/m²) liegen die Preise im laufenden Monat erneut über diesem Niveau (falls Sie werbefrei über Mieten und Immobilienpreise auf dem Laufenden bleiben möchten).


Berlin will beides – Megametropole sein und ganz preiswert bewohnbar

Berlin möchte ja ganz gerne in einem Atemzug mit Paris und London genannt werden – allerdings wünscht sich die Mehrheit der BerlinerInnen eine Verstaatlichung der großen Wohnungseigentümer, so das Votum am vergangenem Sonntag. Würden die Menschen in London ähnlich denken müsste es an der Themse zu bewaffneten Aufständen kommen: In Vierteln, die mit 14052 Berlin vergleichbar sind, nämlich Kensington und Chelsea, werden im Durchschnitt 18.000 Euro für einen Quadratmeter Wohnraum verlangt. 13.000 Euro mehr als in bester Berliner Lage… Das dies nicht erstrebenswert ist, ist sicher richtig- aber das ausgerechnet eine Berliner Stadtregierung in der Lage sein könnte, mehrere Zehntausend Wohnungen erfolgreich zu verwalten, kann auch niemand wirklich glauben.

Das Charlottenburg von London: 200% teurer


Wer nach London umtziehen möchte: Ein 75 qm Apartment in Chelsea ist gerade bei dem Makler Knight Frank im Angebot: Für 1,46 Millionen Euro. In Berlin Neu-Westend: Ein frisch renoviertes Apartment mit 76qm Wohnfläche und ebenfalls 3 Zimmern sucht für 370.000 Euro neue EigentümerInnen. Zwei Hauptstädte, zwei unterschiedliche Welten. Eine Million Euro Unterschied, in London ist der Mittelstand vom Wohnungskauf schon lange ausgeschlossen.


Unter den 16 aktuellen Mietangeboten sind in Berlin Neu-Westend 13 Bestandswohnungen. Die Mietpreise pro Quadratmeter für diese Wohnungen liegen bei 13.00 Euro.Eine vernünftige Wohnung mit zwei Schlafzimmern kostet in unserem Vergleichsviertel London-Chelsea um 2.300 Euro. Kalt. Ohne Nebenkosten. 60% weniger bezahlt man an der Spree, ebenfalls in guter bis sehr guter Lage.


Muss es immer der Berliner Party-Kiez sein?

Wer in Berlin wohnen will findet eigentlich auch noch ein großes Angebot an bezahlbaren Immobilien: Natürlich, wer unbedingt 10 Cafes und 15 Restaurants in seiner Straße braucht, der nicht. Mitte und FriedrichKreuzPrenzl sind teuer und sehr teuer geworden. Nur – die Griesinger Straße in Spandau (doch, Spandau gehört zu Berlin) ist immer noch erschwinglich bei hohem Freizeitwert: Im Angebot sind heute 10 Eigentumswohnungen mit einem durchschnittlichen Quadratmeterpreis von 3.360 Euro. Dies ist im Vergleich zum September des vergangenen Jahres eine Preisveränderung von plus 23% (2.731 Euro/m²) und zum September vor 5 Jahren eine Veränderung um plus 77% (1.891 Euro/m²). Der direkte Vergleich zu dem Monat vor einem Jahr lässt einen Preisanstieg vermuten. Verglichen mit dem Preisniveau aller 414 Kaufangebote der vorherigen 12 Monate (4.766 Euro/m²) fällt jedoch der Preis, so die Analyse von RealEstatePilot, dem führendem Spezialisten für die Immobilienmarkt-Auswertung.


Nicht ganz Prenzlauer Berg ist unbezahlbar

Und selbst mit dem Zauberwort „Prenzlau“ geht noch was: Wer im Bereich des Volksparkes Prenzlauer Berg sucht, der kann dort noch Bestandswohnungen (in aller Regel älter als 5 Jahre) finden, die bezahlbar sind: Der Mietpreis pro Quadratmeter für diese Wohnungen liegt aktuell bei 10.80 Euro. Die „Enteignungs-Initiative“ in Berlin träumt von Mietpreisen um 5 Euro pro Quadratmeter – davon dürfte selbst ein staatlicher Eigentümer nicht einmal mehr kaputte Fenster im Treppenhaus reparieren können.