„The Sun Machine is Coming Down“ – das Ende des ICC sagt viel über Berlin

(ddna) Es ist zu gut. Zu gut für diese Stadt. Es musste der Intendant der Berliner Festspiele sein, der noch einmal dieses Gebäude, den monolitischen Klotz am Rand der Stadtautobahn, zum Abheben bringt. Es schmerzt. Weil selbst denen, die mit einer grotesken asiatischen Performance im künstlichen Wald wenig anfangen können klar wird, was alles hätte sein können. Aber nichts wird sein, wenn dieser mehrtägige begeh- und besuchbare Festakt zum 70ten Geburtstag zuende ist. Nichts wird kommen, was das ICC noch einmal zum Strahlen bringt. Das ICC, dass sich zeitlos ästhetisch präsentiert, nachdem sich die BesucherInnen der Sun Machine durch die seit Jahren verkommenen und stinkenden unterirdischen Zugänge nach oben gearbeitet haben. David Bowies Song von der Sun Machine geht weiter mit der Zeile „And we’re gonna have a party„. Die wird es nicht geben.

 

313 Meter lang, 89 Meter breit und fast 40 Meter hoch. Am  2. April 1979 eröffnet, zwei Jahre nach dem Pariser Centre Pompideau. Das seitdem ununterbrochen die Kultur weit über die Grenzen Paris und Frankreichs hinaus feiert, provoziert und mit definiert.

Das ICC Berlin selbst ist Kunstwerk , ist Ästhetik, ist zeitlos. Eine internationale Stadt hätte sich eine solche Skulptur, die sich Innen immer wieder verändert, verdient. Berlin ist groß darin, stadtpolitisch nur in der in die Jahre gekommen SozGrün-Kneipe stattzufinden. Was soll von einer Stadt erwartet werden, die selbst nach Jahrzehnten Verspätung keinen funktionierenden Flughafen schafft? Die Perfektion, der Anspruch des ICC ist viel zu hoch für die Entscheider dieser Stadt.

Thomas Oberender ist nur noch bis Ende des Jahres Intendant der Berliner Festspiele und seine Inszenierung des ICC ist ein wehmütiges Abschiedsgeschenk an eine Stadt, die mit ihren Ressourcen und Möglichkeiten so unbedarft umgeht.

Die bloße Hoffnung, es ginge immer so weiter, hätte Paris und selbst London längst zerstört, dort wurden Visionen entwickelt und realisiert. Berlin ist dazu zu selbstgefällig, zu schnoddrig. Das Gegenteil des ICC und dessen Formen.

Nicht alles muss dem Besucher der Sun Mashine gefallen, vieles ist durcheinander, verwirrend, scheinbar ohne Kontext. Genau das aber ist die Aussage: Die Einordnung liefert das Gebäude selbst, das ICC ist der Rahmen, in dem alles erlaubt ist. Berlin ist das Gegenteil: Alles ist erlaubt, nichts muss klappen und ein Rahmen, in dem Freiräume ihre Existenzberechtigung haben, wird als uncool und zu mühsam umzusetzen abgelehnt – keine Vision, kein Plan. Dem wird auch das ICC zum Opfer fallen – der letzte Vorhang fällt gerade. Bis zum 19.10. kann man noch dabei sein.