Codex oder wie die Diktatur der Programmierer enden wird

(digitaldaily) Ich liebe Programmierer:innen. Es ist eine über mehr als 20 Jahre gewachsene Hassliebe, die bald ein Ende nehmen wird. Deswegen verbeuge ich mich in Ehrfurcht vor Elon Musk. Mir ist egal, welche Autos er baut und von mir aus kann er zur Venus fliegen – diese seine irdische Mission ist von unvergleichbarer Schönheit, ein ästhetischer Genuß wie eine Sinfonie Beethovens. Denn Musk hilft, die Diktatur der Programmierer zu beenden.

Programmierer:innen genießen einen Sonderstatus in unserem Wirtschaftsleben, nur vergleichbar mit der Position eines Polizisten in Moskau oder dem Hausmeister von Hogwarts. Unangreibar, unberührbar. Niemand Rechenschaft schuldig. Erhaben. Über allen und allem thronend und meist doch der deutschen Sprache nicht mächtig. Damit meine ich: keiner natürlichen Sprache mächtig. Es gibt Ausnahmen, gelegentlich. Selten. Wer ein solches Expemplar ergattert tut alles für ihn oder für sie, vergisst seine Ehe, seine Kinder – um diese eine oder diesen einen glücklich zu machen. Diese Zeit geht vorüber, die dunkle Seite der Macht verloren hat.


Die dunkle Seite der Macht ist sehr stark

Wie konnte es gelingen, den aus verwobenen Codes und ebenso undurchdringlichen wie unvollständigen Dokumentationen bestehenden Kampfstern zu vernichten? Die entscheidende Waffe dabei ist die fortschreitende Demokratisierung von Daten und Technologie sein. In den vergangenen Jahren ist eine Branche entstanden, die ein Ziel hat: Die für technologiegestützte Innovationen erforderlichen Fähigkeiten und Werkzeuge in die Hände eines möglichst großen Teils der Gesellschaft zu legen, unabhängig von deren Fachwissen oder Erfahrung.


Der erste Schritt dazu waren die Cloud-Lösungen für Speicherung, Netzwerke und Verarbeitung von Daten. Dadurch wurden aber zunächst nur die Kosten und Risiken, um neue Ideen auszuprobieren, erheblich gesenkt. Noch wurden und werden Innovationen durch den Mangel an IT-Experten (ab 10 Zeilen Python ist man Senior Expert) gebremst, aber aus diesem Blocker wuchs aus der Not geboren etwas grossartiges: Die Entwicklung von wirklichen Selbstbedienungs-Lösungen. Nicht jedes Unternehmen muss ein Heer von Computergenies einstellen, um sein eigenes „digitales Gehirn“ zu bauen, wenn es für die anfallenden Arbeiten einfach eines mieten kann. Es gibt fertige KI-Lösungen für alles, vom Marketing über die Personalabteilung und das Projektmanagement bis hin zur Planung und Gestaltung von Produktionsprozessen. Im Jahr 2022 werden immer mehr Unternehmen KI- und IoT-Infrastrukturen einsetzen, ohne einen einzigen Server oder proprietären kognitiven Code zu besitzen.


Codex ist schärfer als ein Laserschwert

Codefreie Schnittstellen werden immer beliebter, da fehlende Programmierkenntnisse oder ein detailliertes Verständnis von Statistiken und Datenstrukturen kein Hindernis mehr darstellen, eine weltverändernde Idee in die Realität umzusetzen.Und nun endlich kommen wir zu Elon Musk – dieser Typ, der Karosserien um Computer baut, die sich sogar bewegen. OpenAI – eine von Elon Musk gegründete und unter anderem von Microsoft finanzierte Forschungsgruppe – hat kürzlich Codex vorgestellt, ein Programmiermodell, das Code aus natürlicher, gesprochener menschlicher Sprache erzeugen kann. In dem Maße, in dem solche Technologien ausgereift sind – was schon ab nächstem Jahr der Fall sein wird – wird eine Explosion an Innovationen möglich sein. Ohne Programmierer, ohne Coder, ohne ITLerIn – wie immer sie heißen. Die Cloud-Infrastruktur bietet dazu eine bezahlbare Plattform zum testen, proben und entwickeln.


Laut einer Studie der Universität Oxford werden im Jahr 2030 47 Prozent der derzeitigen Arbeitsplätze in den USA von der Automatisierung übernommen werden. Die Studie weist ausdrücklich darauf hin, dass auch Programmierer mit 47 Prozent weniger Jobs rechnen müssen. Wer heute mit seinem IT-Studium beginnt wird nicht mehr automatisch einen Job finden.

OpenAI Codex, so schreibt TheChief.io, hat bereits ein sehr gutes Verständnis für gängige Codierungsmethoden. Bis zur allgemeinen Verfügbarkeit könnte die technische Vorabversion bereits populären Frameworks und Sprachen wie Ruby, TypeScript, JavaScript, Python und Go zum größten Teil ersetzen. Beziehungsweise die humanen Code-Autoren:innen. Codex analysiert den bereits geschriebenen Code und generiert neuen, passenden Code, einschließlich bestimmter Funktionen, die zuvor aufgerufen wurden. Ein weiter Schritt bis zur Übersetzung normaler menschlicher Sprachbefehle in komplexe Codierungen? Bestimmt – noch zwei, drei Jahre.