Globaler Temperaturanstieg: Klimaziele weltweit werden verfehlt

Schon in den nächsten 10 Jahren wird es schwer in einigen Weltregionen zu leben


(digitaldaily) Die Temperaturen auf dem gesamten Planeten sind im Jahr 2021 weiter angestiegen und werden in einem Jahrzehnt einen Wert von 1,5 C über dem vorindustriellen Niveau erreichen, eine Obergrenze, die im Pariser Abkommen mit dem Ziel festgelegt wurde, die katastrophalsten Klimafolgen zu vermeiden. Das haben die NASA und die National Oceanic and Atmospheric Administration (beide in Washington DC) in unabhängigen Berichten festgestellt, die gestern veröffentlicht wurden. Die durchschnittliche globale Oberflächentemperatur im vergangenen Jahr war die sechstwärmste seit Beginn der zuverlässigen Aufzeichnungen im Jahr 1880 war.


„Wir befinden uns bei einem Anstieg von 0,8 oder 0,9 Grad Celsius. Wenn sich das derzeitige Muster fortsetzt, werden wir in 10 Jahren, etwa 2031 oder 2032, diesen Punkt (1,5 °C) erreichen“, sagte Edil Sepulveda, ein Geowissenschaftler am Goddard Space Flight Center der NASA. Im Pariser Abkommen von 2015 hat sich die internationale Gemeinschaft auf eine Reihe von Maßnahmen geeinigt um die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 C und am besten auf 1,5 C im Vergleich zum vorindustriellen Niveau zu begrenzen.


Eine globale Erwärmung über diesem Niveau würde laut Sepulveda natürlich nicht bedeuten, dass es noch am selben Tag zu Katastrophen käme. Er warnte aber davor, dass, wenn die Temperaturen bis dahin nicht eingedämmt werden, es Teile des Planeten geben wird, „in denen es sehr schwierig sein wird zu leben“. Laut dem NOAA-Bericht „Assessing the Global Climate in 2021“ lag die durchschnittliche Land- und Meeresoberflächentemperatur der Erde im Jahr 2021 bei 14,7 °C oder 0,84 Grad über dem Durchschnitt. Damit war 2021 das sechstwärmste Jahr in den Aufzeichnungen nach 2015, 2016, 2017, 2019 und 2020.


Die beiden bisher wärmsten Jahre waren 2016 und 2020, aber die leichte Abkühlung im Jahr 2021 deutet laut Experten nicht auf eine Umkehr des Erwärmungstrends hin. Das vergangene Jahr war eines der wärmsten der letzten 141 Jahre, obwohl es inmitten einer kalten Phase begann, die als La Niña bekannt ist und die globalen Temperaturen leicht abkühlt“, heißt es im NOAA-Bericht. „Dass das Jahr 2021 trotz La Niña zu den heißesten Jahren gehört, zeigt uns, dass es dem Muster des letzten Jahrzehnts auf dem Planeten gefolgt ist“, sagte Sepulveda. Darüber hinaus war der Sommer 2021 im Nordwesten der Vereinigten Staaten der heißeste aller Zeiten, und in Südamerika wurde der drittwärmste Dezember aller Zeiten verzeichnet.


Die globale Erwärmung wird durch den Ausstoß von Treibhausgasen wie Kohlendioxid in die Atmosphäre verursacht, wo sie die Sonnenstrahlung abfangen und den so genannten Treibhauseffekt auf der Erde verstärken. „Es besteht ein breiter Konsens darüber, dass die globale Erwärmung durch den Menschen verursacht wird, daran besteht überhaupt kein Zweifel“, sagte Sepulveda. Und die Auswirkungen der stetig zunehmenden Erwärmung der Erde über das vorindustrielle Niveau hinaus sind bereits sichtbar, so der Experte. Steigende Temperaturen seien die „Hauptzutat“ für Hitzewellen wie die, die die USA im letzten Sommer heimgesucht haben, für Waldbrände und Dürren, so der Wissenschaftler. Die hohen Temperaturen führen auch zu mehr Wasserdampf in der Atmosphäre, was zu heftigen Regenfällen und Sturzfluten führt, wie sie im vergangenen Juli in Deutschland auftraten, oder zu einem höheren Meeresspiegel, der durch das Abschmelzen der Polkappen ausgelöst wird.


Die NOAA teilte in ihrem Bericht auch mit, dass die in den oberen Schichten der Ozeane gespeicherte Wärmemenge, der so genannte Wärmeinhalt der Ozeane, im Jahr 2021 ein Rekordhoch erreicht und damit die bisherige Marke aus dem Jahr 2020 übertroffen hat. Die Treibhausgase werden sich noch jahrzehntelang in der Atmosphäre befinden“, sagte Sepulveda: „Deshalb ist es wichtig, dass in den nächsten Jahren Maßnahmen ergriffen werden“.


Wolfgang Zehrt, Berlin